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Michael Jaffé: Kirch-Insolvenzverwalter vor einer schweren Aufgabe

Als Spezialist für Sanierungsfälle ist Michael Jaffé in diesen Tagen viel unterwegs.

dpa MÜNCHEN: Kaum hatte der Anwalt vor wenigen Wochen die ersten Schritte zur Neuordnung des insolventen Elektro-Konzerns Schneider im Allgäu eingeleitet, bekam er nun einen noch größeren Auftrag hinzu: Das Amtsgericht München bestellte ihn zum vorläufigen Insolvenzverwalter bei der KirchMedia, dem Kerngeschäft der Kirch-Gruppe. Damit ist der bisher außerhalb Bayerns weitgehend unbekannte Jaffé von einem Tag auf den anderen in die Riege der bekanntesten Insolvenzverwalter Deutschlands aufgerückt. Der kleine, stämmige Mann muss nun entscheiden, wie es mit dem Kirch- Kerngeschäft weiter gehen soll.

Eine Aufgabe wie diese hat er noch nie gestemmt. Aber das würde nach Einschätzung des Amtsgerichts fast jedem seiner Kollegen so gehen. "Ein Fall in dieser Größenordnung ist zwangsläufig für jeden neu", sagte ein Sprecher. Die Wahl ist nach Einschätzung von Experten auch deshalb auf Jaffé gefallen, weil er als Spezialist für eine Insolvenz in Eigenverwaltung gilt. Sollte Jaffé in den kommenden Wochen bei der Prüfung der KirchMedia zu dem Ergebnis kommen, dass eine Insolvenz in Eigenverantwortung möglich ist, hätte die neue Geschäftsführung um Wolfgang van Betteray weit mehr Möglichkeiten bei der Umstrukturierung als in einem normalen Insolvenzverfahren.

In der Münchner Juristenszene kam die Bestellung Jaffés für den wohl größten Sanierungsfall in Bayern nicht überraschend. «Er hat einen sehr guten Ruf», bescheinigte das Amtsgericht. In den vergangenen Jahren war seine Kanzlei nach eigenen Angaben an mehr als 800 Insolvenzverfahren beteiligt. Auf der Internet-Seite hat sich die Kanzlei die "Bewältigung wirtschaftlicher Ausnahmesituationen" für Unternehmen auf die Fahnen geschrieben.

Für öffentliches Interesse sorgte vor allem die spektakuläre Pleite des Immobilienunternehmers und langjährigen Sponsors deutscher Skisport-Asse, Werner Langenbahn. Auch nach dem Insolvenzantrag des traditionsreichen Elektro-Konzerns Schneider mit mehr als 600 Beschäftigten steht Jaffé als Insolvenzverwalter im Mittelpunkt des Interesses. In Interviews meldet sich der Jurist kaum zu Wort. Lieber tüftelt er seine Sanierungspläne hinter den Kulissen aus. Auch seine Kanzlei ist zur Verschwiegenheit verpflichtet: Nicht einmal das Alter und der Werdegang des Chefs dürfen bekannt gegeben werden.

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