Michael Maier will die Internetzeitung fit machen
Neues Konzept für die deutsche Nettavisen

Am Mittwoch geht in Berlin die Netzeitung zum zweiten Mal, diesmal komplett, an den Start. Ex-"Stern"-Chefredakteur Michael Maier hat das Konzept für den deutschen Markt stark verändert.

BERLIN. Am Mittwoch, wenn der US-Wahlkampf beendet ist, will die Netzeitung , der deutsche Ableger der norwegischen Online-News-Seite Nettavisen, unter Beweis stellen, dass auch hierzulande für reine Internetzeitungen ein Markt besteht. Die Netzeitung mit Sitz in Berlin soll vor allem in einer Hinsicht möglichst rasch dem norwegischen Original entsprechen: Nettavisen ist seit diesem Jahr bereits in der Gewinnzone.

Die Gründer der Zeitung, Knut Ivar Skeid und Harald Hauge, besetzten 1996 in dem skandinavischen Land eine Marktlücke. Drei von vier Norwegern kennen die papierfreie Zeitung, die sich fast ausschließlich über Werbeeinnahmen finanziert.

Ob sich der Coup auch in Deutschland wiederholen lässt, wird in Branchenkreisen eher skeptisch diskutiert. Aktuelle News bieten auch die Internetableger der Tageszeitungen und Magazine. Auch der Charme der Eigenständigkeit ist weitgehend verflogen: Die großen Verlage haben hierzulande entweder bereits ihre Internetaktivitäten ausgegliedert und an die Börse gebracht oder sind derzeit dabei, diesen Schritt einzuleiten.

Eher zögerlich ist denn auch Nettavisen im größten Markt Europas gestartet. Im vergangenen Jahr wurde die Onlinezeitung von dem schwedischen Internetunternehmen Spray Networks gekauft und ist mit der Spray-Übernahme durch Lycos Europe im September in Bertelsmann-Nähe gerückt. Nach einer Versuchsphase ging ein Teilangebot der Netzeitung bereits zur Olympiade online. In der Zwischenzeit wurde das Angebot komplettiert. Wenn am Mittwoch wieder von einem Start die Rede sein wird, dann liegt das an Michael Maier. Der beim "Stern" erfolglose Chefredakteur, der seit Oktober die Geschicke der Netzeitung leitet, hat in den vergangenen Wochen das Konzept den Bedürfnissen des deutschen Marktes angepasst. Der frühere Chefredakteur der "Berliner Zeitung" hatte in der Redaktion zunächst für Verwirrung gesorgt, als er von Israel aus per Ferndiagnose das Publizieren von Dissertationen empfahl. Zu diesem Zeitpunkt war auf den Seiten der Netzeitung noch nicht einmal ein solides Nachrichtenangebot zu finden.

Anders, als zunächst von der Redaktion befürchtet, hat Maier in den vergangenen Wochen indes vor allem dafür gesorgt, dass die Inhalte professioneller, die Texte lesbarer wurden. Auch das Selbstbild der Netzeitung trägt mittlerweile unverkennbar seine Spuren: Sollten die Nutzer zuvor nicht mit weiter führenden Verweisen zu anderen Quellen aus dem Angebot herausgeführt werden, sind die Redakteure inzwischen dazu angehalten, Links zu Originaldokumenten einzubauen. Die Netzeitung, so Maiers Vision, soll sich zu einem "persönlichen Knotenpunkt im Internet" entwickeln.

Maier ist nicht der einzige prominente Print-Chefredakteur, der im Internet seine Karriere fortsetzen will. Auch Udo Röbel, der von der Bild-Zeitung zu "bild.de" wechselt, sah nach der Personalrochade beim Axel Springer Verlag keinen Anlass, von einem Karriereknick zu sprechen.

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