Michael Meier ist Manager von Borussia Dortmund
Der Mann mit dem versteckten Humor

Deutscher Meister ist sein Klub bereits, heute kann ein europäischer Titel hinzukommen. Michael Meier, der Manager von Borussia Dortmund, hat an den sportlichen Erfolgen einen erheblichen Anteil. Er gilt als eher rationaler Vertreter der Kickerbranche.

DORTMUND. Auch wenn sie heute Abend gewinnen sollten: Den Titel Uefa-Pokalsieger, in der Diktion von Franz Beckenbauer den "Cup der Verlierer", werden sie nicht verteidigen. Lieber spielen die Dortmunder nächste Saison in der Champions League - in der Meisterschaft der Meister, wo sie in diesem Jahr schon in der Vorrunde scheiterten und in den Uefa-Pokal abgeschoben wurden.

Im Endspiel in Rotterdam gegen Feyenoord Rotterdam geht es für die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA nicht zuletzt ums Prestige. Denn der Uefa-Pokal ist die einzige europäische Trophäe, die dem BVB in seiner Sammlung noch fehlt.

Heute dürften dem Klub die Sympathien von Fußball-Deutschland sicher sein. Das war voriges Wochenende noch anders. Viele Fans drückten den Kickern von Bayer Leverkusen die Daumen, die die Meiserschaft eher verdient hätten - ob ihres Angrifffußballs. Dortmund habe vor allem von Elfmetern profitiert, gifteten die Münchner Bayern.

Vorwürfe, die Michael Meier die Meisterlaune ziemlich verdarben. Jedenfalls nahm der Geschäftsführer und Manager des Klubs zunächst einmal die Chance wahr, die Gegner abzuwatschen. Die Kluft zwischen dem "Meister der Emotionen" aus Leverkusen und den nüchternen Westfalen wurde so noch deutlicher. Während der schwergewichtige Gefühlsmensch Reiner Calmund - Meiers Kollege auf Leverkusener Seite - den Alleinunterhalter spielt, steht ihm in Dortmund der kühle und rationale Meier gegenüber. Einer, der meist überlegt wirkt vor der Kamera - seine Wort sorgfältig abwägend und langsam sprechend.

Unterhaltsamer Jesuitenschüler

Dabei kann der ehemalige Jesuitenschüler im kleinen Kreise richtig launig sein. Etwa, wenn Meier einlädt zum Sommerfest: In seinem Garten treffen sich dann die Sportjournalisten, die während der Saison über Dortmund berichtet haben. Und dann schlägt das BVB-Imperium zurück: Meier verleiht einigen Medienleuten bei Pils und Schnittchen den inoffiziellen Karl-May-Preis für kreative Berichterstattung beziehungsweise die Falschmeldungen des Jahres.

Und wenn er dann erzählt von einem Artikel der Lokalpresse, in dem es um das Fußball spielende Bruderpaar Knut und Alois Reinhardt - inklusive Zitate der Mutter über ihre Söhne - geht, dann hält Meier die Spannung geschickt bis zur Pointe aufrecht. Denn Knut und Alois sind keine Brüder, der Beitrag sei daher "eine Art Lebenswerk". Ja, er kann unterhaltsam sein, der Mann mit dem Allerweltsnamen. Wobei er sich insofern treu bleibt, als sein Humor stets ein trockener ist.

Lahmende BVB-Aktie

In den 23 Jahren bei Dortmund hat Meier den Klub von Grund auf renoviert. Den Kauf und Ausbau des Westfalenstadions vorangetrieben, den Verein professionalisiert, neue Transfermodelle eingeführt - etwa nur 50 Prozent der Transferrechte am Brasilianer Ewerthon zu kaufen mit einer Option auf den Rest - und den BVB im Herbst 2000 an die Börse geführt. Wobei der Kurs ihm zu schaffen macht. Im August 2001 schrieb Meier nach einer kurzen Börsenhausse im Handelsblatt: "Die BVB-Aktie ist ein ganzer Erfolg, ... berechenbarer als viele gedacht haben und keineswegs extrem abhängig von Sieg oder Niederlage."

Stimmt, sie steigt auch bei Siegen kaum. Trotz Meisterschale und dem Uefa-Cup-Finale notiert sie aktuell bei 5,65 Euro, also gut der Hälfte des Ausgabepreises.

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