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Michael Schumacher gewinnt vor  Bruder Ralf

Als Michael Schumacher beim historischen Formel-1-Marathon von Suzuka mit 14 Sekunden Vorsprung vor seinem Bruder Ralf gesiegt hatte, war endlich die Stunde der Abrechnung gekommen.

dpa SUZUKA. Als Michael Schumacher beim historischen Formel-1-Marathon von Suzuka mit 14 Sekunden Vorsprung vor seinem Bruder Ralf gesiegt hatte, war endlich die Stunde der Abrechnung gekommen.

"So ist das im Motorsport. Man sollte nie jemanden abschreiben. Ralf hat sich recht eindrucksvoll zurückgemeldet", beschied der Rekord-Weltmeister den vielen Kritikern seines kleinen Bruders. Zuvor hatte der große Schumacher in seinem Ferrari innerhalb weniger Stunden die Pole-Position geholt und dann mit einem Start-Ziel-Erfolg seinen sechsten Erfolg beim Großen Preis von Japan völlig problemlos eingefahren.

"Das Rennen wird bestimmt in die Geschichte der Formel 1 eingehen. Jetzt werden viele darüber nachdenken, ob wir nicht immer an einem Tag die Qualifikation und das Rennen austragen sollten. Es ist zwar aufregend, aber das alte Format ist mir lieber", meinte der bereits als Weltmeister feststehende Schumacher nach seinem 83. Karrieresieg. Wegen des über Japan wirbelnden Taifuns "Ma-on" hatte es in Suzuka aus Sicherheitsgründen einen freien Samstag gegeben.

Beim ersten Grand Prix in der Motorsport-Geschichte mit Qualifikation und Rennen an einem Sonntag musste der jüngere Schumacher in seinem Williams-BMW im zweiten Rennen nach seiner über drei Monate langen Verletzungspause hart gegen die beiden BAR-Honda-Piloten Jenson Button (Großbritannien) und Takuma Sato (Japan) kämpfen. Doch am Ende durfte der 29-Jährige erstmals seit seinem Sieg beim Grand Prix von Frankreich im Juli 2003 wieder auf das Podest klettern. "Das ist ein großartiges Gefühl. Ich wollte für das Team noch einmal das Beste machen, bevor ich weg gehe, ich war ja sechs Jahre hier und bin noch was schuldig", sagte er. In der nächsten Saison fährt er für den japanischen Rennstall Toyota.

Der zuletzt so Gescholtene sicherte Williams-BMW wichtige Punkte in der Konstrukteurs-WM. Vor dem Saisonfinale am 24. Oktober in Brasilien führt das bayerisch-britische Team im Kampf um Platz vier nun mit 13 Punkten vor dem deutschen Rivalen Mclaren-Mercedes. Auch, weil der Schotte David Coulthard seinen Silberpfeil in aussichtsreicher Position liegend nach einem unverschuldeten Crash mit Rubens Barrichello (Brasilien) im zweiten Ferrari abstellen musste. "Die Punkte fehlen uns", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

In der Marken-WM ist BAR-Honda (116 Punkte) dank Button und Sato Platz zwei hinter Ferrari (254) und vor Renault (100) kaum noch zu nehmen. Die Jordan-Piloten Nick Heidfeld und Timo Glock belegten in Suzuka die Plätze 13 und 15. Nachdem der Taifun "Ma-on" die Formel 1 entgegen den Prognosen verschont hatte, kamen die 120 000 japanischen Motorsport-Fans voll auf ihre Kosten. Schon gut vier Stunden vor dem Grand-Prix-Start war Michael Schumacher zum 63. Mal in seiner Karriere auf die Pole-Position gefahren. Und da sich auch Ralf Schumacher steigerte und überraschend auf Platz zwei raste, standen die beiden Brüder zum achten Mal gemeinsam in der ersten Reihe.

Am Ende holten die beiden Rheinländer ihr fünftes Formel-1-Double. Zum vierten Mal hieß der Sieger des Familien-Duells nicht unerwartet Michael. Nur einmal - beim ersten Erfolg der schnellen Brüder in Kanada im Jahr 2001 war Ralf vorne gewesen. Sein großer Bruder verbesserte durch seinen Suzuka-Erfolg seinen eigenen Punkterekord aus dem Jahr 2002 von 144 auf 146. Nach den unspektakulären 53 Runden über 307,573 Kilometer gewann der 35-Jährige in 1:24,26,985 Stunden und feierte den ersehnten 13. Saisonsieg. Nach seinem schlechtesten Karriere-Resultat mit Platz zwölf vor zwei Wochen in China wollte der Rekordweltmeister sich selbst und allen anderen etwas beweisen - auch wenn er am Ende etwas anderes sagte.

Sein Bruder Ralf stand noch viel mehr unter Druck. "Zuletzt in China hat man kein gutes Haar an mir gelassen", klagte er über sein Comeback-Rennen vor zwei Wochen, dass er nicht beendet hatte. Diesmal gab es Lobeshymnen. "Ralf hat eine tadellose Leistung gezeigt", meinte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. "Das war ein Bilderbuchrennen", lobte Sam Michael von Williams.

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