Michael Schumacher im ersten Training vor seinen beiden Hauptkonkurrenten
Die Kurve kriegen

Beim vorletzten Formel-1-Rennen der Saison in Indianapolis wird das Team mit der besten Abstimmung gewinnen.

HB INDIANAPOLIS. Seit 18 Jahren gab es in der Schlussphase einer Formel-1-WM keinen so spannenden Dreikampf mehr wie diesmal. Es war zuletzt 1986, als sich die beiden Williams- Rennfahrer Nelson Piquet und Nigel Mansell mit Alain Prost im McLaren um den Titel stritten. Am Ende war der Franzose Prost, der eigentliche Außenseiter, in einem dramatischen Finale in Australien vorn. Diesmal, bei den noch ausstehenden Rennen in Indianapolis und in Suzuka, könnte es ähnlich eng werden. Auch wenn die Punktzahlen der Kontrahenten eher dafür sprechen, dass die Weltmeisterschaft nur noch zwischen Michael Schumacher (82 WM-Punkte) im Ferrari und dem knapp hinter ihm liegenden Juan Pablo Montoya (79 Punkte) im BMW-Williams entschieden wird. Dem Finnen Kimi Räikkönen (75 Punkte) aus dem McLaren-Mercedes-Team werden nur noch Außenseiterchancen eingeräumt. Nur Michael Schumacher kann schon am Sonntag vorzeitig Weltmeister werden.

Auf dem Indianapolis Motor Speedway müssen die Teams bei der Einstellung der Rennwagen Kompromisse machen. Mit etwa 23 Sekunden gibt es auf dem 4,2 Kilometer langen Kurs den längsten Vollgasanteil im Vergleich zu den anderen Rennstrecken, zugleich aber verlangt das so genannte Infield, die 13 Kurven gegenüber von Start und Ziel, maximalen Anpressdruck des Autos auf die Rennstrecke. Minimaler Luftwiderstand für die Höchstgeschwindigkeit und maximaler Anpressdruck schließen sich in der Formel 1 gegenseitig aus. Die Rennstrategen der Teams stehen vor einer schwierigen Aufgabe.

Für das ersten Training meisterten die Ferrari-Strategen die Aufgabe offenbar am besten. Michael Schumacher fuhr die fünftbeste Zeit und lag damit vor seinen Rivalen Juan Pablo Montoya (Kolumbien/8.) im Williams-BMW und Kimi Räikkönen (Finnland/9.) im McLaren-Mercedes. Ralf Schumacher im zweiten Williams-BMW beendete das Training auf Rang zwei hinter Renault-Pilot Jarno Trulli (Italien). Die Mönchengladbacher Nick Heidfeld und Heinz-Harald Frentzen im Sauber fuhren auf die Ränge 18 bzw. 19.

Michael Schumacher, der WM-Spitzenreiter, hat in Indianapolis von den drei Kandidaten am meisten Erfahrung. Als Einziger fuhr er schon dreimal auf dem Rennoval. Schumacher zählt Indianapolis zu den schnellen Strecken, die dem Ferrari nicht so gut liegen müssten. Und wie die Bridgestone-Reifen in den vielen engen Kurven reagieren werden, wird auch vom Wetter abhängen.

"Heiß wie nie" auf einen Sieg ist Juan Pablo Montoya. Er startete bisher zweimal auf dem Formel-1-Kurs von Indianapolis. Seine Bilanz: Ein Motorschaden 2001 und ein verpatztes Rennen 2002, als er mit dem Teamkollegen Ralf Schumacher kollidierte, und das Team auch noch den Boxenstopp verpatzte. Trotzdem ist Williams-Chefkonstrukteur Patrick Head zuversichtlich: "Wir können auf dieser Strecke unsere Power ausspielen, die letzten Tests waren sehr vielversprechend." Auch wenn bis jetzt gute Ergebnisse ausblieben, fühlt sich Montoya in den USA zu Hause: "Eigentlich komme ich hier sehr gut zurecht. Ich habe noch etwas gutzumachen, auch für meine vielen Fans." Mittlerweile soll sein BMW-Williams mit 920 PS angetrieben werden. Eine solche Motorleistung kann Ferrari auf dem Highspeedkurs nicht bieten.

Und Kimi Räikkönen? "Unser Auto sollte gut auf diese Strecke passen", sagt der Finne. Dass ihn die anderen nicht mehr auf der Rechnung haben, kommt ihm sogar entgegen: "Da kann ich wenigstens in Ruhe meine Arbeit machen." Seine Überlegung: Wenn zwei sich streiten, freut sich nicht selten der Dritte.

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