Michael Skibbe ist der Optimist an Rudi Völlers Seite
Die verbalen Eigentore des Bundestrainers

Skibbe ist ein rhetorisch geschulter Meister des geschwurbelten Wortes. In Japan ist er immer für einen Klops gut oder brilliert er regelmäßig mit bestem Politiker-Deutsch.

Im Training setzt er die kleinen Hütchen auf den Rasen und schreitet gewissenhaft die Abstände zwischen ihnen ab, dann erklärt Michael Skibbe den Herren Nationalspielern wie sie den Ball um die Hindernisse zu dribbeln haben. Teamchef Rudi Völler hingegen hat meist das Ganze im Blick, spricht kurz mit dem einen, zieht mal den anderen Spieler zur Seite, schießt selbst ab und zu auf das Tor. Hier der praktisch-orientierte Generalist Völler, dort sein Adlatus mit der Trainerlizenz, der sich um Details und Theorie kümmert.

Doch nicht nur auf dem Trainingsplatz ergänzen sich die beiden deutschen Nationaltrainer gut, sondern auch auf dem Podium bei den Pressekonferenzen. Während Völler sich ruhig und gemäßigt gibt, sorgt sein Kollege regelmäßig für einen Klops. Skibbe zieht auf dem Podium die ganze Zeit die Stirn so kraus, dass dort mindestens drei Viererketten aus der Haut wachsen. Gleichzeitig scheint der 36-Jährige die Zuversicht in Person zu sein. Wenige Tage vor dem entscheidenden Match gegen Kamerun ist er "felsenfest davon überzeugt, dass wir ins Achtelfinale kommen." Ein Satz, der alle Zweifel wegwischen soll, der aber dennoch zu großer Sorge Anlass gibt. Denn vor dem Irland-Spiel hatte Skibbe öffentlich trompetet, er sei "felsenfest davon überzeugt, dass wir gewinnen werden". Das Ergebnis ist bekannt.

Es scheint ernst zu stehen um die Nationalelf, wenn ein Trainer glaubt, so viel Zuversicht verbreiten zu müssen. Dabei sagt der gebürtige Gelsenkirchener, der seine Spielerlaufbahn wegen einer Verletzung früh aufgeben musste und als Jungtrainer bei Dortmund scheiterte: "Das ist kein Zweckoptimismus, ich tippe grundsätzlich immer auf die eigene Mannschaft." Auch Skibbes Glaube an die Gesundheit seiner Akteure auf dem Rasen ist unerschütterlich. "Alle sind hundertprozentig fit", wiederholte er vor und während der WM in Endlosschleife. Dass dann Christian Wörns doch verletzt zu Hause bleiben musste und Marko Rehmer in den ersten beiden Spielen noch geschont wurde, focht ihn nicht an.

Vor der Partie gegen Irland meinte der Trainer, alle 23 Kicker seien in der Lage "richtig Powerfußball zu spielen". Dass Michael Ballack dann aber seinen rechten Fuß schonte wie er nur konnte, war egal. Zugegeben wird nur, was sowieso zu sehen ist, etwa wenn ein Spieler nicht mittrainiert.

Skibbe ist ein rhetorisch geschulter Meister des geschwurbelten Wortes. "Ich denke, dass es nicht eine Problematik der fehlenden Kraft gewesen ist", erklärte er geschraubt, nachdem die deutsche Elf in den Schlussminuten gegen Irland doch recht platt gewirkt hatte. Das ist bestes Politiker-Deutsch. Na ja, jedenfalls werde die Mannschaft die nächste Runde "mit aller Zielstrebigkeit anvisieren".

Wenn Journalisten ihm die richtigen Vorlagen geben, vergaloppiert Skibbe sich auch schon mal, etwa bei seiner Äußerung, Japan sei ja nicht gerade das Land, in dem man jedes Jahr Urlaub machen müsse. "Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes sagen", entschuldigte er sich Tage später. Gleiches gilt für den Satz, das Finale sei möglich für Deutschland. "Das hat er gesagt?", fragte Rudi Völler erstaunt, als er einen Tag später mit dieser Aussage konfrontiert wurde. "Schön", sagte Völler dann, aber man sah im an, dass er "not amused" war. Zur Frage, ob man gegen Kamerun auf Sieg oder Unentschieden spiele, gab Skibbe dann noch einen Klassiker zum besten: "Wir wären schlecht beraten, auf ein Unentschieden zu spielen, aber wir müssen auf jeden Fall verhindern, in Rückstand zu geraten". Ein entschiedenes "sowohl als auch" hätte gereicht.

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