Michelin unter Druck
"Reifenkrieg" in der Formel 1

Der "Reifenkrieg" in der Formel 1 ist eskaliert und Hersteller Michelin droht sogar mit einem Boykott für die letzten drei Rennen. Nachdem der Automobil-Weltverband den Teamchefs per Brief angekündigt hat, schon beim Grand Prix in Monza (14. September) die Lauffläche der Vorderreifen auch nach dem Rennen zu vermessen, könnte die "Königsklasse" im totalen Chaos versinken. Die in diesem Jahr dramatisch, aber auch äußerst fair verlaufende Weltmeisterschaft würde zur Farce werden.

HB/dpa HAMBURG. Nutznießer der neuen FIA -"Maßnahme" könnte vor allem Weltmeister Michael Schumacher (72 Punkte) werden, dessen Ferrari auf den schmalen Bridgestone-Reifen der Konkurrenz mit breiteren Michelin zuletzt erstaunlich oft hinterhergefahren ist. "So ein Titel wäre für Ferrari ohne Wert", hieß es am Sonntag in italienischen Medien bereits. Angeblich soll sich die Lauffläche der Michelin-Pneus, die unter anderem von Schumachers WM-Rivalen Juan-Pablo Montoya (Kolumbien/71) im Williams-BMW und Kimi Räikkönen (Finnland/70) im McLaren-Mercedes gefahren werden, während eines Grand-Prix-Einsatzes über das erlaubte Laufflächenmaß von 270 Millimeter hinaus vergrößern.

Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, hätten die Teams, die mit den Gummis der Franzosen fahren, klare Vorteile. Je breiter die Auflagefläche des Reifens ist, desto stärker "kleben" die Rennwagen am Boden, desto schneller ist ein Pilot unterwegs. Der fünffache Weltmeister Schumacher wartet seit fünf Rennen auf einen Sieg - sein Reifenhersteller Bridgestone ist als Sündenbock für die Talfahrt des hohen Favoriten ausgemacht worden.

"Es gibt diese Diskussion. Aber wir sehen das gelassen und warten in Ruhe ab, was für Monza endgültig beschlossen wird", sagte BMW - Motorsportdirektor Mario Theissen am Wochenende. Seit Monaco, damals gewann der Kolumbianer Montoya, fährt Michelin mit einem modifizierten, breiteren Vorderreifen. "Es ist möglich, dass die fünf Teams, die unsere Reifen verwenden, in Monza nicht dabei sein werden. Es ist ihre Entscheidung, aber wir wissen, dass wir nicht rechtzeitig neue Reifen herstellen können, denn es würde Wochen brauchen, um sie zu entwickeln und zu backen", sagte Michelin-Sportdirektor Pierre Dupasquier einer englischen Zeitung. Das allerdings wird in Formel-1- Kreisen lediglich als Drohgebärde eingestuft.

Eine rückwirkende Bestrafung müssen die Michelin-Teams, zu denen auch Renault mit Budapest-Sieger Fernado Alonso (Spanien) gehört, allerdings nicht befürchten. "Es gibt in jedem Rennen eine technische Abnahme der Autos. Und in den bisherigen 13 Saisonrennen hat die FIA keinerlei Beanstandungen gehabt", sagte Theissen. Überhaupt dürfte das Vermessen der Pneus nach dem Rennen schwierig werden. Denn der Reifen weist auch außerhalb der Lauffläche Asphaltspuren auf, da Schumi & Co. oft über die Randsteine fahren. Der Nachweis dass das erlaubte 270-Millimeter-Limit überschritten wird, dürfte kaum gelingen.

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