"Micro-Darlehen" ab 1. Oktober 2002
Regierung will Mittelstand mit Kleinstkrediten helfen

Mit Kleinstkrediten, Prämien, Vermittlung und Beratung will die Bundesregierung den zunehmenden Geldsorgen von kleinen Betrieben und Firmengründern begegnen.

dpa BERLIN. Am Montag stellte Bundeswirtschaftsminister Werner Müller in Berlin seine Pläne für die kleinen und mittleren Unternehmen vor. Sie setzten dort an, "wo den Mittelstand der Schuh am meisten drückt", sagte Müller. Das sei der Zugang zu Bankmitteln sowie Belastungen durch Bürokratie und schlechte Zahlungsmoral.

Reformbedarf gebe es auch bei den umstrittenen 325-Euro-Jobs, deren Handhabung vereinfacht werden müsse. Immerhin werde im Mittelstand fast 60 Prozent der Wirtschaftsleistung erarbeitet und 20 Millionen Menschen fänden dort Arbeit, unterstrich der parteilose Minister.

Besonders schwierig sei inzwischen häufig der Zugang zu einem Kredit. Täglich gingen Briefe von Unternehmen ein, die bei einem Finanzierungsproblem bei Banken nicht mehr weiterkämen, berichtete Müller. Ein Spezialfall seien dabei sehr kleine Kredite für Existenzgründer. "Da hat einer eine Geschäftsidee, muss Prospekte drucken lassen, braucht ein Büro und einen PC, aber weil er keine Sicherheiten hat, gibt ihm keine Bank einen Kredit", weiß Müller.

Micro-Darlehen in der Entwicklung

Für diese Fälle werde zur Zeit als gezieltes Instrument ein "Micro-Darlehen" entwickelt, dass für die Banken durch eine 80prozentige Haftungsfreistellung attraktiv werden soll. Beträge bis zu 25 000 Euro könnten Gründer und Firmen mit bis zu zehn Mitarbeitern damit unbürokratisch, schnell und ohne Sicherheiten mit einem einzigen Formular über die Deutsche Ausgleichsbank (DtA) bekommen.

Ab 1. Oktober 2002 soll diese Möglichkeit zur Verfügung stehen. Das Darlehen läuft über fünf Jahre und kann bis zu drei Jahre nach der Gründung in Anspruch genommen werden. Zudem werde sein Ressort eine Hotline, eine "Nummer gegen Finanzierungskummer" einrichten, an der sich auch die öffentlich-rechtlichen Banken beteiligten.

Als Großversuch nur für Ostdeutschland kündigte der Minister ferner eine Generationswechsel-Prämie ab 1. Januar 2003 an. Ein Fünftel der ostdeutschen Unternehmen - 100 000 Betriebe - müssten in den nächsten zwölf Jahren einen neuen Eigentümer finden, damit die Arbeitsplätze erhalten bleiben. Schließungen wegen ungelöster Übergangsprobleme seien dort häufiger als im Westen.

Wenn ein Seniorunternehmer seinem Nachfolger für fünf Jahre 20 000 Euro im Unternehmen belasse, zahlt der Bund als weitere Einlage 20 000 Euro Prämie. Mit dieser Anlage kann der Betriebsnachfolger ein Darlehen bei der DtA von bis zu 120 000 Euro in Anspruch nehmen. Nach fünf Jahren erhalte der Alteigentümer die volle Einlage von 40 0000 Euro.

Weitere Anstrengungen richteten sich gegen die Flut von bürokratischen Anforderungen. "Jede Stunde ausfüllen von Statistik- Formularen ist eine Stunde weniger unternehmerische Tätigkeit", betonte Müller. Derzeit gebe es etwa 230 statistische Meldepflichten für Unternehmer. Er wolle diese Belastung halbieren.

Ein immenses Problem vor allem für Handwerker sei zudem die mangelnde Zahlungsmoral der Kommunen geworden. Aus Sorge um künftige Aufträge nutzten kleinere Betriebe oft nicht die Möglichkeiten, ihr Geld einzutreiben. Deshalb werde in seinem Ministerium jetzt eine Beschwerdestelle eingerichtet, wo sich Handwerker über säumige Kommunen beschweren könnten.

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