Micrologica mit 56 % im Minus
Micrologica wegen drohender Zahlungsunfähigkeit unter Druck

Die Aktien des Softwareherstellers Micrologica haben am Donnerstag nach Bekanntgabe einer drohenden Zahlungsunfähigkeit in der Spitze um fast 70 % verloren. Kurz nach Handelsbeginn fielen die am Neuen Markt gelisteten Titel auf ein neues Allzeittief bei 0,77 Euro, erholten sich im Verlauf jedoch zeitweise wieder auf 1,25 Euro.

rtr FRANKFURT. Die drohende Zahlungsunfähigkeit sei keine Überraschung, sagte Patrick Shields, Analyst beim Bankhaus BNP Paribas. Micrologica hat in der vergangenen Zeit einige Probleme gehabt. Es war klar, dass das Unternehmen Liquiditätsprobleme hat und irgendwann in Zahlungsschwierigkeiten gerät", sagte der Analyst. BNP ist neben der DG Bank eine der Betreuerbanken von Micrologica.

Micrologica - Intraday-Chart

Das vergangene Jahr sei ein schwieriges für Micrologica gewesen, sagte Shields. Der Wechsel im Management, notwendige Restrukturierungen und das schwierige Marktumfeld hätten dem Softwarehersteller zugesetzt. Micrologica müsse es nun gelingen, das operative Geschäft wieder zu stärken oder finanzielle Unterstützung zu bekommen. "Es sieht so aus, als ob beides derzeit nicht gelingt", sagte der Analyst. Er wollte jedoch keine Aussage darüber machen, ob Micrologica tatsächlich zahlungsunfähig werden könnte. "Das Unternehmen hat große Absatz- und Liquiditätsprobleme", sagte Shields lediglich.

Händler rechneten vor Börsenstart mit einem Abschlag bei den Micrologica-Aktien von rund 40 %. Die Deutsche Börse AG hatte zuvor auf Anfrage erklärt, dass der Titel nicht vom Handel ausgesetzt werde. Private wie auch institutionelle Marktteilnehmer hätten seit Veröffentlichung der Pflichtmitteilung am Mittwoch nach Börsenschluss genügend Zeit gehabt, den gleichen Informationsstand zu erlangen, hieß es als Begründung.

Kündigung der Kreditlinie

Das auf die Herstellung von Software zur Unterstützung von Kommunikationsprozessen spezialisierte Unternehmen hatte am Mittwochabend mitgeteilt, das ein privater Investor ihm die Kündigung der erst in der vergangenen Woche vereinbarten Kreditlinie von 2,0 Mill. Euro in Aussicht gestellt habe. Damit drohe Micrologica die Zahlungsunfähigkeit, da die absehbaren Verbindlichkeiten wahrscheinlich nicht zeitgerecht durch ausreichend liquide Mittel gedeckt werden könnten, hieß es.

Grund für die angedrohte Kündigung der Kreditlinie sei die Mitteilung einer internationalen Unternehmensgruppe aus der Call-Center-Branche, die Gespräche mit Micrologica über eine Beteiligung beziehungsweise Kooperation zu beenden. Die Unternehmensgruppe wolle sich auf ihr bestehendes Geschäft in anderen Märkten konzentrieren und sehe dieses als dringlicher an, hieß es weiter.

Früheren Angaben von Micrologica zufolge hatten niedriger als erwartet ausfallende Investitionstranchen des englischen Investors GEM Global Yiel Fund zu einer Verzögerung des notwendigen Mittelzuflusses geführt. In der vergangenen Woche hatte Micrologica bekannt gegeben, ihre Liquiditätslage durch den Kreditvertrag mit dem privaten Investor zunächst gestärkt zu haben. Micrologica prüfe nun kurzfristig das weitere Vorgehen, um den Schaden für die Gesellschaft und die Aktionäre zu begrenzen, hieß es weiter.

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