Micron Technologies zieht sich zurück
Hynix-Schicksal hängt an dünnem Faden

Der US-Konzern Micron Technologies will sich aus den Verhandlungen mit dem südkoreanischen Chiphersteller Hynix über den Kauf von dessen Speicherchip-Sparte zurückziehen. Das Schicksal von Hynix liegt nach Einschätzung von Branchenexperten nun in der Hand seiner Gläubigerbanken, bei denen der Konzern mit mehr als fünf Milliarden Dollar verschuldet ist.

Reuters SEOUL. Nach einer genauen Bewertung könne Micron nicht erkennen, dass für die zahlreichen beteiligten Parteien eine Einigung in absehbarer Zeit möglich sei, erklärte der Chairman des US-Konzerns, Steve Appleton, am Donnerstag. "Als Ergebnis ziehen wir uns von den Verhandlungen mit Hynix zurück."

Das Hynix-Board hatte Anfang der Woche den Verkauf von Firmenteilen Micron abgelehnt und das Geschäft damit vorerst scheitern lassen. Die südkoreanische Regierung warnte vor negativen Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft, sollte die Übernahme platzen.

Hynix sollte vom Speicherchip-Markt verschwinden

Micron hatte angeboten, alle sechs Hynix-Speicherchip-Werke gegen Bargeld und Aktien für insgesamt mehr als drei Milliarden Dollar zu kaufen. Damit wäre der derzeit drittgrößte Speicherchip-Hersteller Hynix vom Markt verschwunden und der neue Konzern hätte den bisherigen weltweiten Branchenprimus Samsung Electronics verdrängt. Hynix hätte dann als Hersteller von Chips etwa für Mobiltelefone und andere Anwendungen weiter bestanden, aber keine Speicherchips mehr produziert.

Als Grund für die Ablehnung des Übernahmeangebots hatte das Hynix-Board am Dienstag die Pläne der Gläubiger für die verbleibenden Geschäftsbereiche von Hynix nach dem Teil-Verkauf angeführt. Die Gläubiger hatten dem geplanten Verkauf bereits zugestimmt, nachdem Hynix und Micron erst vor Kurzem nach monatelangen Verhandlungen eine Absichtserklärung unterzeichnet hatten.

Die Gläubigerbanken betonten, sie seien weiter an einem Verkauf von Firmenteilen interessiert. "Wir bleiben bei unserer Position: Wir wollen Teile von Hynix veräußern", sagte der Chef der Korea Exchange Bank, Lee Kang-won Journalisten. Zuletzt waren Spekulationen aufgekommen, die Gläubiger könnten ihre Wandelanleihen in Aktien tauschen, um so das Board auswechseln zu können.

Negative Auswirkungen befürchtet

Analysten hatten zuletzt ein Scheitern des geplanten Verkaufs als problematisch für die an Überkapazitäten leidende Chip-Branche bezeichnet. Weltweit könnten die Preise für Chips nun wieder auf die Rekordtiefstände von 2001 absacken, sagten Branchenkenner. Hynix-Aktien waren vor dem Micron-Rückzug um mehr als 15 Prozent gesunken, nachdem Hoffnungen aufgekommen waren, Micron könne eventuell trotz der Board-Ablehnung weiter an einem Kauf interessiert sein. Die Anleger an der Börse in Seoul befürchten bei einem Verkauf der Speicherchip-Sparte, die rund 70 Prozent des Hynix-Umsatzes ausmacht, werde der Kurs deutlich an Wert verlieren.

"Liquidierung wäre kein größeres Problem"

Ein Vertreter der südkoreanischen Regierung sagte Reuters, für die Gläubiger, die Hynix abgesichert hätten, sei es nun besser, die Firma aufzulösen als neue Mittel hineinzustecken. "Eine Liquidierung von Hynix wäre kein größeres Problem", sagte der Regierungsvertreter. Die südkoreanische Regierung hatte vor Bekanntwerden des Rückzugs von Micron Sorgen geäußert, dass ein Scheitern der Übernahme der Wirtschaft des Landes schaden könnte. Auch die Bemühungen Südkoreas, Rating-Hochstufungen zu erzielen, könnten Schaden erleiden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%