Micron unterzeichnet Vorvertrag über die größte Akquisition in der Halbleiterbranche
Chip-Branche begrüßt Hynix-Übernahme

Micron Technology will die Speichersparte des koreanischen Halbleiter-Herstellers Hynix übernehmen. Das nährt in der vom Preisverfall gebeutelten Branche Hoffnungen auf einen Abbau der Überkapazitäten.

 

olm/jojo/sgr HONGKONG/DÜSSELDORF. Die Halbleiter-Industrie steht vor einem wichtigen Konsolidierungsschritt. Nach monatelangem Tauziehen hat sich der US-Konzern Micron Technology den Zugriff auf die Speicherchip-Sparte der südkoreanischen Hynix Semiconductor gesichert. Die Unternehmen unterzeichneten gestern einen Vorvertrag. Stimmen Gläubigerbanken, Wettbewerbshüter und die Aktionäre und Aufsichtsräte beider Konzerne dem Vier-Milliarden-Dollar-Deal zu, würde Micron zum größten Speicherchip-Hersteller der Welt.

"Kurz- und mittelfristig könnte das den Speicherchip-Preisen helfen, weil Micron mehr Kontrolle über das Angebot bekommt und ältere Produktionsstätten von Hynix zeitweilig stilllegen kann", sagte Doug Lee, Analyst bei der Banc of America. Verringern sich dadurch die Überkapazitäten, hilft das auch Microns Hauptkonkurrenten, dem bisherigen Weltmarktführer Samsung Electronics und der Nummer vier, Infineon.

Die Chiphersteller erholen sich gerade von einem beispiellosen Preisverfall. Der Preis für einen Standard-Speicherchip (DRAM) von 128 Megabyte lag vor sechs Monaten unter einem Dollar - weit unter den Herstellungskosten. Das trug der 1999 aus einer Fusion von Hyundai Electronics und LG Semiconductor entstandenen Hynix 2001 einen Rekordverlust von 3,9 Mrd. $ ein. Mittlerweile sind die DRAM-Preise auf etwa 3,30 $ gestiegen und Hynix wies im ersten Quartal zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen aus.

Auf dem Höhepunkt der Krise mussten die Gläubigerbanken das Unternehmen mit zwei milliardenteuren Rettungsaktionen vor dem Aus bewahren. Um ihre Verluste zu begrenzen, drängen sie seitdem auf eine Fusion. Seit Dezember verhandelt Hynix mit Micron.

Die Unternehmen haben nun bis zum 30. April Zeit, um einen endgültigen Vertrag auszuhandeln. Doch nicht alle Analysten sind überzeugt, dass der Deal wie geplant über die Bühne geht. Stolpersteine bleiben: Dem Gläubigerkonsortium zufolge wird Micron zwar 85 % der von Hynix übernommenen Arbeitsplätze für zwei Jahre garantieren. Doch die Gewerkschaften fürchten Massenentlassungen unter den 14 000 Beschäftigten und wollen deshalb gegen den Verkauf kämpfen.

Auch freie Aktionäre, die den Großteil der Hynix-Aktien halten, haben Widerstand angekündigt. Sie sorgen sich um den Wert des Unternehmens nach der Abspaltung der Speicherchip-Sparte, die 70 % des Umsatzes einfährt. Bei kleineren Gläubigern könnte sich ebenso Widerstand regen, weil sie Nachteile gegenüber den großen Geldgebern fürchten. Ungeklärt sind auch die Bedingungen für einen neuen Milliardenkredit für das fusionierte Unternehmen und die Frage, ob Micron für versteckte Schulden bei Hynix entschädigt wird, die erst nach der Übernahme bekannt werden.

Die gestern unterzeichnete Absichtserklärung verspricht Hynix und den Gläubigern des Konzerns 108,6 Mill. Micron-Aktien für den Verkauf der Chip-Sparte. Auf Basis des Kurses von 29,50 $ am vergangenen Freitag wären das 3,2 Mrd. $. Micron will sich außerdem verpflichten, 200 Mill. $ für einen 15-Prozent-Anteil an Hynix? verbleibendem Geschäft zu bezahlen. Die Koreaner würden keine Speicherchips mehr herstellen, sondern nur noch Chips für Mobiltelefone und andere elektronische Geräte.

Für die Banken, denen Hynix mehr als 6 Mrd. $ schuldet, hat der Deal einen Pferdefuß: Sie verpflichten sich dazu, Micron zusätzlich 1,5 Mrd. $ an langfristigen Krediten zu gewähren. Außerdem dürfen sie die Micron-Aktien vier Monate lang nicht verkaufen. Bankanalysten werten den Verkauf jedoch positiv, weil er dem Engagement der Institute Grenzen zieht. "Auf sich gestellt würde Hynix in den kommenden Jahren viel mehr frisches Geld brauchen", sagte Brain Hunsaker von Nomura Securities. Aktien der Gläubigerbanken stiegen gestern im Kurs, der Hynix-Kurs stürzte dagegen kurz vor Handelsschluss im Vorgriff auf die Bekanntgabe des Deals um 6,7 % auf 1 175 Won ab.

Deutschlands größter Chip-Hersteller, die Infineon Technologies AG, zeigte sich erfreut über den Abschluss. "Wir begrüßen die Konsolidierung", sagte ein Sprecher. Infineon hatte mehrere Wochen lang ergebnislos mit Hynix über eine Zusammenarbeit gesprochen. INSIDE Seite 22

Quelle: Handelsblatt

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