Micron weiter als Käufer im Gespräch
Entschuldung soll Chip-Hersteller Hynix über Wasser halten

Vertreter der Gläubigerbanken erklärten am Montag, sie würden nochmals Schulden in Eigenkapital umwandeln und auch einen Kapitalschnitt vornehmen. Die Details sollen noch in diesem Monat ausgehandelt werden.

olm HONGKONG. Mit der Entschuldung wollen die Banken den bankrotten Konzern über Wasser halten und die Veräußerung der verlustbringenden Speicherchip-Sparte erleichtern. Diese macht 80 % des Umsatzes aus. "Das ist ein wichtiger Schritt; eine Stärkung der Bilanz erhöht die Chancen für den Verkauf", sagte Jeff Toder, Analyst von SG Securities. Im Juni war ein vom Management und den Gläubigern ausgehandelter Verkauf an den US-Rivalen Micron Technology für 3,4 Mrd. $ überraschend am Widerstand des Hynix-Aufsichtsrats gescheitert. Inzwischen haben die Banken Schulden in Eigenkapital umgewandelt und das Unternehmen unter ihre direkte Kontrolle genommen.

Micron hat signalisiert, nach wie vor Interesse an einer Übernahme zu haben. Doch die Rahmenbedingungen dafür haben sich merklich verschlechtert: Die Preise für DRAM-Speicherchips, die im ersten Quartal kurzfristig angezogen waren und Hynix schwarze Zahlen beschert hatten, sind wieder im Keller (siehe unterstehenden Artikel). Vor einer Woche vermeldete das Unternehmen für das zweite Quartal einen Verlust von umgerechnet 350 Mill. Euro. Micron-Aktien, mit denen die Amerikaner den Kauf bezahlen wollten, haben seit Juni 40 % ihres Werts verloren. Und im Technologiewettlauf um effizientere, billigere Herstellungsmethoden für die Chips der Zukunft fällt Hynix immer weiter zurück.

In der ersten Jahreshälfte hat der Chipbauer 180 Mill. Euro in Produktionstechnologie investiert. Lokalrivale Samsung Electronics will dafür dieses Jahr mehr als zehnmal so viel ausgeben.

Die geplante Entschlackung der Bilanz soll Hynix die Zinslast erleichtern und Ressourcen für Investitionen freimachen. Das ist überlebenswichtig, denn ob und wann ein Verkauf über die Bühne geht, steht in den Sternen. "Bis Teile von Hynix abgestoßen werden können, wird es eine Zeit dauern", sagte ein Manager des Hauptgläubigers Korea Exchange Bank der Nachrichtenagentur Reuters. Ihm zufolge könnten die Banken zu weiteren Umschuldungen genötigt sein. Doch die Zeit für einen Verkauf drängt: "Mit jedem Tag veralten die Anlagen wei-ter und Hynix verliert noch mehr an Wert", betont SG-Analyst Toder. 2004 wird der Großteil der Schulden fällig, spätestens dann käme das endgültige Aus. Die Banken haben Hynix bislang 4 Mrd. Euro geliehen. Der Chip-Hersteller hat über 6 Billionen Won (rund 5,2 Mrd. Euro) Schulden, aber nur 4,8 Billionen Won Eigenkapital.

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