Micropayment im Internet
Dem Zahler auf den Zahn gefühlt

Geld gegen Ware - dieses uralte Prinzip jeder Wirtschaft ist im Internet zu einem komplizierten Prozess geworden. Nach einer Online-Umfrage der Universität Karlsruhe und der Unternehmensberatung Mummert + Partner zahlen achtzig Prozent der Menschen in realen Leben "häufig" oder "fast immer" mit Bargeld.

hon DÜSSELDORF. Im Netz ist es der Umfrage zufolge genau umgekehrt. Rund 90 Prozent der Befragten haben bereits via Überweisung auf Rechnung bezahlt, 80 Prozent per Lastschriftabbuchung. Verfahren, bei denen Kleinbeträge von weniger als zehn Mark bargeldähnlich den Besitzer wechseln ("Micropayment"), landen weit abgeschlagen.

Die Online-Umfrage "Internet-Zahlungssysteme aus Sicht der Verbraucher" wurde zum fünften Mal Anfang 2002 durchgeführt. Mehr als 11 000 Nutzer gaben Auskunft über ihre Zahlungs-Gewohnheiten. Die Ergebnisse werden offiziell Anfang Mai vorgestellt.

Weitere Erkenntnisse der Umfrage:

  • Das Micropayment-Verfahren, das die meisten Nutzer bereits genutzt haben, ist Firstgate click&buy (rund 30 Prozent), gefolgt von Paybox (circa 20 Prozent). Allerdings weist die Uni Karlsruhe darauf hin, dass Firstgate und Paybox auf ihrer Homepage auf die Umfrage hingewiesen hatten. Die Zahlen wurden also dadurch verfälscht, dass viele Teilnehmer direkt von den Firstgate- und Paybox-Seiten zur Umfrage kamen.
  • Beim Bekanntheitsgrad gab es einige Verschiebungen zur Frage, welche Zahlverfahren schon benutzt wurden. Hier führt Paybox vor der Geldkarte und Firstgate.
  • 18 Prozent aller Teilnehmer sind grundsätzlich bereit, für digitale Güter zu zahlen. Besonders ausgeprägt ist diese Bereitschaft mit über 60 Prozent bei Software. Mit deutlichem Abstand folgen mit knapp über 30 Prozent Musik und Kommunikationsdienstleistungen. Zeitschriften, Bilder und Nachrichten lagen mit weniger als 20 Prozent am Ende der Liste.
  • Die wichtigste Barriere für den Einkauf digitaler Güter ist der Wunsch, die Inhalte in physikalischer Form zu erwerben - also auf Papier oder auf CD gebrannt.
  • Besonders unzufrieden sind die Teilnehmer bei allen Zahlsystemen mit der Anzahl der Online-Händler, die das jeweilige Zahlverfahren anbieten. Außerdem scheint die Rückerstattung falsch abgebuchter Beträge Probleme zu bereiten; das jedenfalls ist der zweite Punkt, den die Befragten bei allen Systemen monieren.
  • Speziell beim Bezahlen mittels Mobiltelefon, per Rechnung oder per Inkasso-Verfahren kritisierten die Nutzer fehlende Transparenz und Budgetkontrolle.
  • Bei der Wahl der Zahlungsmethode spielt die oft als Argument ins Feld geführte Anonymität, Verschlüsselung und der Datenschutz nur eine untergeordnete Rolle. 70 Prozent entscheiden nach der Identität des Anbieters, fast 60 Prozent nach der Verwendung der Zahlungsmethode außerhalb des Internets.
  • Die wichtigste Maßnahme, um das Zahlen im Internet attraktiver zu machen, ist für knapp 80 Prozent die Standardisierung der Zahlverfahren. 50 Prozent plädieren für Preisnachlässe.

Bei allen Angaben waren Mehrfachnennungen möglich.

Die beiden bemerkenswertesten Erkenntnisse der Untersuchung sind, dass den Nutzern Bequemlichkeit wichtiger ist als Sicherheit, und dass die Verwendbarkeit von Zahlsystemen auch in der Offline-Welt wichtig ist. Das ist beim Zahlen größerer Beträge (Rechnung, Lastschrift, Nachnahme, Kreditkarte) ohnehin schon so. Doch die Micropayment-Verfahren werden sich daran messen lassen müssen, ob sie auch außerhalb des Internets zu benutzen sind. Bei Paybox oder der Geldkarte ist das beispielsweise der Fall.

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