Micropayment kommt allmählich voran
Kleinvieh macht noch immer zu viel Mist

"Bill it or kill it" - Rechne es ab oder schalte es ab. Nach diesem Motto verfahren immer mehr Online-Anbieter, die ihren Dienst bisher kostenlos angeboten haben. Die Bedeutung von Bezahlsystemen wächst rasant.

HB HAMBURG. Die Bezahlung von Kleinstbeträgen im Internet ist ein Problem: Es trifft vor allem Anbieter digitaler Dienstleistungen oder Unterhaltung, bei denen ein Klick einen, fünf oder vielleicht zehn Cent kosten soll. Der Einzug per Lastschrift übersteigt da schnell den Wert der gelieferten Ware. Das so genannte Micropayment - spezielle Systeme für die Abrechnung von Kleinstbeträgen - soll Abhilfe schaffen.

Wenn das funktioniert, wollen auch Medienhäuser künftig mehr als die Krümel vom acht Milliarden Euro schweren deutschen E-Commerce-Kuchen haben, den bislang Versandhandelsriesen wie Amazon, Otto und Karstadt-Quelle unter sich aufteilen. Der Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger, Wolfgang Fürstner, ist zuversichtlich: "In zwölf Monaten wird aller wichtiger Inhalt im Internet nicht mehr verschenkt, sondern verkauft."

Aber noch fehlt ein Standard. "Wenn Surfer online bezahlen sollen, wollen sie vor allem eines: sichere und simple Abrechnungsverfahren", sagt Karsten Stroborn von der Uni Karlsruhe. Dort wird seit mehreren Jahren über Micropayment geforscht.

Eine exklusive Umfrage im Auftrag des Handelsblatts unter 300 deutschen E-Business-Managern ergab ein eindeutiges Votum für die Abrechnung solcher Cent-Beträge per Telefonrechnung oder Handy. Wie das Internetforschungsinstitut Dialego ermittelte, setzen 25,2 % der Befragten bei der Abrechnung auf den Festnetz-Anschluss des Kunden. Gut ein Fünftel wollen, dass Kleinbeträge über das Handy-Konto eingezogen werden.

Doch bis dahin ist der Weg noch weit. Experten halten für den derzeit am meisten Erfolg versprechenden Ansatz, wenn E-Business-Unternehmen auf den klassischen Zahlungsarten Rechnung, Lastschrift oder Kreditkarte aufbauen. "Radikal neue Lösungen haben es schwer", sagt Harald Summa, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Internetwirtschaft. Selbst beim Internetpionier Ebay werden 60 % der Käufe noch immer per Scheck beglichen - obwohl Ebay ein eigenes elektronisches Zahlsystem besaß. Das wird jetzt dichtgemacht, nachdem die Firma für 1,5 Mrd. $ der US-Marktführer Paypal übernommen hat, über den bereits viele Ebay-Kunden bezahlten.

In Deutschland mussten Projekte für virtuelles Geld - etwa E-Cash und Cybercoins - aufgeben. Digitale Geldbörsen, für die die Kunden Kartenleser und spezielle Software installieren müssen, sind nach Meinung der von Dialego befragten Manager ziemlich out: 53,3 % glauben, dass die Kunden solche Kosten nicht tragen werden.

Auch was die derzeit oft angepriesenen Projekte für Handy-Bezahlen angeht, beweisen die E-Business-Manager viel Realitätssinn. Immerhin 38 % verweisen auf ein akutes Kostenproblem: Denn bei Kleinstbeträgen sind die Gesprächskosten höher als die zu zahlende Leistung selbst. Da macht das Kleinvieh noch deutlich zu viel Mist.

In der Praxis dominieren beim Micropayment heute zwei Verfahren: Die monatliche Sammelabrechnung und die Zahlung über Guthabenkarten. Der Anbieter Firstgate sammelt die Rechnungsbeträge der Kunden, um sie einmal im Monat von Girokonto oder Kreditkarte des Käufers abzubuchen und unter den Lieferanten aufzuteilen. "Auf über 2000 Internetseiten kann man mit ?Click & Buy? bezahlen", sagt Firstgate-Sprecherin Silvia Beßlich. Zuletzt gaben die rund 850 000 registrierten Kunden gut eine halbe Million Euro monatlich aus - wenn sie in der Wirtschaftsdatenbank Genios recherchierten, beim "Playboy" Fotos schauten oder bei Jaxx.de Lotto spielen.

Die Deutsche Telekom plant mit "T-Pay" ein ähnliches Bezahlsystem. Künftig soll es für Online-Shopper möglich sein, die Ausgaben per Telefonrechnung zu begleichen. "Solche bequemen Zahlungsmodalitäten haben viel Potenzial", sagt Branchenfachmann Summa. Firstgate hingegen witterte unlauteren Wettbewerb und erwirkte vor dem Frankfurter Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen das Pilotprojekt.

Anonym können Surfer mit vorausbezahlten "Paysafe"-Karten im Wert zwischen 20 und 100 Euro surfen. Der Kunde muss eine PIN-Nummer freirubbeln - mit der gilt die Karte im Web als Kleingeld-Ersatz, den derzeit gut 1000 Anbieter akzeptieren. "Wir haben Karten im Wert von 15 Millionen Euro im Markt", sagt Firmensprecher Moritz Becker. "Micromoney" heißt ein vergleichbares Angebot der Telekom.

Quelle: Handelsblatt

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