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Microsoft befürchtet bei Rechtschreib-Änderungen Millionenkosten

Der Chef von Microsoft Deutschland, Jürgen Gallmann, sieht bei einer Umstellung auf die alte Rechtschreibung enorme Kosten auf sein Unternehmen zukommen. „Auf die alten Rechtschreibregeln von Windows oder Office zurückzugehen reicht nicht aus. Denn sicher werden neue mit den alten Regeln gemischt“.

dpa HAMBURG. Der Chef von Microsoft Deutschland, Jürgen Gallmann, sieht bei einer Umstellung auf die alte Rechtschreibung enorme Kosten auf sein Unternehmen zukommen. "Auf die alten Rechtschreibregeln von Windows oder Office zurückzugehen reicht nicht aus. Denn sicher werden neue mit den alten Regeln gemischt".

Das sagte er dem am Donnerstag erscheinenden Wirtschaftsmagazin "Focus-Money". Die Office-Software müsste neu programmiert werden, "ein gigantischer Aufwand". Schließlich gelte es nicht nur, die Rechtschreibung in der Software umzustellen, sondern auch, Handbücher, Web-Inhalte, Animationen und Glossare wären zu korrigieren. Durch die Überarbeitung könnten Probleme wie etwa die mögliche Inkompatibilität mit älteren Programmteilen noch zunehmen.

Über die Rechtschreibreform beraten am nächsten Montag (23.) in Wien Verwaltungsbeamte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Es handelt sich nach Darstellung der Kultusministerkonferenz (KMK) um ein lange geplantes Routine-Arbeitstreffen. Von deutscher Seite werde unter anderem KMK-Generalsekretär Erich Thies teilnehmen. Ergebnisse oder Beschlüsse seien nicht zu erwarten. Im Mittelpunkt steht der geplante Rat für deutsche Rechtschreibung, der die Entwicklung der Rechtschreibung beobachten soll. Die genauen Kompetenzen und die Zusammensetzung des Rates stehen noch nicht fest. Die KMK will aber auch Reformgegner und Vertreter der Medien berücksichtigen.

Unterdessen hat der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass die KMK im Streit um die Rechtschreibreform scharf kritisiert. Sie sei "inkompetent, entscheidungsschwach oder blockierend tätig", sagte Grass in einem am Mittwoch gesendeten Interview im Nordwestradio von Radio Bremen und dem NDR. Die Schriftsteller hätten frühzeitig dagegen protestiert. Viele irrationale Entscheidungen könnten jedoch noch schrittweise rückgängig gemacht werden. Dabei sei zu beachten, dass "eine Sprache etwas Lebendiges ist".

Der Springer-Konzern und der "Spiegel"-Verlag haben angekündigt, schnellstmöglich zur früheren Rechtschreibung zurückkehren zu wollen; bewährte neue Regeln sollen aber beibehalten werden. Auch die "Süddeutsche Zeitung" und der "Rheinische Merkur" möchten die neue Rechtschreibung in ihrer bisherigen Form nicht beibehalten. Dagegen haben andere Medien, darunter ARD, ZDF und die "Frankfurter Rundschau" betont, an den neuen Regeln festzuhalten.

Die Ministerpräsidenten der Länder wollen am 7./8 Oktober in Berlin zusammenkommen und über die Rechtschreibung beraten, die Kultusminister der Länder am 14./15. Oktober im Saarland. Die große Mehrheit der Länder will an dem KMK-Beschluss festhalten, dass zum 1. August 2005 nur noch die neuen Schreibweisen richtig sind.

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