Microsoft-Kartellprozess
Bill Gates packt aus

Die von neun US-Bundesstaaten geforderten Sanktionen gegen den Softwarekonzern Microsoft würden nach Worten von Konzern-Mitbegründer Bill Gates das Windows-Betriebssystem um zehn Jahre zurückwerfen.

Reuters WASHINGTON. Bei seiner Aussage in dem Kartellverfahren vor dem zuständigen US-Bundesgericht sagte Gates am Montag, die Forderungen der Staaten gingen auch zu Lasten der Verbraucher und der gesamten Computerindustrie.

In dem bereits vier Jahre andauernden Kartellverfahren gegen Microsoft erschien Gates am Montag erstmals persönlich. "Ich hoffe, dass meine Aussage dem Gericht hilft, die strittigen Fragen in diesem Fall zu lösen. Das wäre das Beste für die Verbraucher und die Industrie, und darum bin ich hier", sagte Gates zu Beginn. Er warnte die Richterin Colleen Kollar-Kotelly vor den Konsequenzen, sollte das Gericht auf die Forderungen der Staaten eingehen.

Bundesstaaten fordern Bereitstellung des Windows-Quellcodes

Neun von insgesamt 18 klagenden US-Bundesstaaten lehnen den zwischen Microsoft und der US-Regierung ausgehandelten Vergleichsvorschlag bislang ab. Sie fordern von Microsoft unter anderem, eine Windows-Version für konkurrierende Software-Konzerne und Computerhersteller bereitzustellen, die von diesen Unternehmen nach eigenen Bedürfnissen angepasst werden kann. Die Maßnahmen seien notwendig, um Microsoft vom Missbrauch seines Monopols bei Windows-Betriebssystemen abzuhalten, argumentierten die Bundesstaaten.

Gates vertritt dagegen die Auffassung, dass das Microsoft-Monopol dazu beigetragen habe, eine zerstückelte PC-Industrie zu vereinen. "Wenn Windows reduziert wird auf ein undefiniertes ?Kernbetriebssystem?, würden die Staaten die Uhren für die Windows-Entwicklung um etwa zehn Jahre zurückdrehen und sie gewissermaßen dort einfrieren", sagte Gates. Auch technisch sei die Umsetzung der Forderung der Kritiker unmöglich, Windows auf ein Kernbetriebssystem abzuspecken, das nach Belieben um Zusatzfunktionen erweitert werden könnte. "Während die Plattformen der Konkurrenz durch das Hinzufügen neuer Fähigkeiten nach vorne galoppieren, würde Microsoft innerhalb weniger Jahre veraltet sein", sagte Gates vor Gericht. "Kurzum, die praktische Wirkung des Vorschlags der Staaten wäre, Microsoft als Technologie-Konzern zu verkrüppeln", fügte er hinzu.

Nach Ansicht von Gates werde die Existenz von Windows als stabile Plattform durch die Klage der Staaten bedroht. "Die (Vorschläge der Staaten) würden alle drei Elemente des Microsoft-Erfolges untergraben und dem Software-Konzern, aber auch anderen Firmen, die auf Microsoft-Produkten aufbauen, sowie Verbrauchern und Unternehmen, die PC-Software nutzen, schweren Schaden zufügen", hieß es in in einer 155-seitigen schriftlichen Vorlage.

Wende im Prozess

Der Auftritt des Unternehmens-Mitbegründers vor Gericht stellt eine Wende zu der bisherigen Verhandlungsstrategie des Software-Giganten dar. Einige Rechtsanalysten sagten, dass Gates' bisherige Abwesenheit der Verteidigung des Konzerns geschadet habe. Das US-Bundesgericht hatte bei früheren Verhandlungen Videomaterial von einem Interview mit Gates gezeigt, das vor dem Beginn des Verfahrens geführt worden war, und das ihrer Ansicht nach für den Konzern unvorteilhaft sei. Bill Gates habe unkooperativ gewirkt und sich über die Bedeutung geläufiger Worte gestritten.

Die Aufgabe von Richterin Kollar-Kotelly ist es nun, die Forderungen der weiterhin klagenden Bundesstaaten mit dem Vergleichsvorschlag abzuwägen. Bei den betreffenden neun Staaten handelt es sich um Connecticut, Florida, Iowa, Kalifornien, Kansas, Massachusetts, Minnesota, Utah und West Virginia. Darüber hinaus war noch der District of Columbia vor Gericht gezogen.

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