Microsoft-Partner starten Tablet PC
Bill Gates' liebstes Kind

Seit vielen Jahren ist es das mit Abstand liebste Kind von Microsoft-Gründer Bill Gates: Am Donnerstag wurden in New York und München die ersten Tablet PCs vorgestellt, die eine neue Generation mobiler Computer einläuten sollen.

HB/dpa MÜNCHEN. Der neue extrem flache Computer mit berührungsaktivem Bildschirm ist eine Art Notebook ohne Tastatur. Elf Jahre hat die Entwicklung mit einigen gescheiterten Versuchen gedauert, 400 Millionen US-Dollar wurden investiert.

In Deutschland gibt es den Tablet PC zunächst von den Hardware-Herstellern Acer, Hewlett-Packard, Fujitsu-Siemens, Paceblade, Toshiba und ViewSonic geben wird. Über die Marktchancen und die Massentauglichkeit des neuen Geräts gehen die Einschätzungen auseinander.

Mit zahlreichen neuartigen Funktionen sei der Tablet PC ein "supernettes Ding", begeistert sich Gates. Eine geschriebene Notiz könne sich der Nutzer zum Beispiel einfach vorlesen lassen. "Das ist sehr cool", sagte Gates. Die Tablet PCs in den USA verfügen auch über eine Spracherkennung, die bislang in den Geräten auf dem deutschsprachigen Markt jedoch nicht angeboten wird.

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Gerüchte um den Tablet PC von Microsoft gegeben. Die Entwicklung des berührungsempfindlichen Bildschirms und der drahtlosen Internet- Anbindung hatten den Ingenieuren bei Microsoft und seinen Partnern mehr Schwierigkeiten bereitet als angenommen.

Ob der Tablet PC tatsächlich den weltweit stagnierenden Absatz von Personal Computern und Software ankurbeln wird, bezweifeln viele Marktbeobachter. "Fehlende Applikationen, schwerfälliges Hardware- Design und Preisaufschläge werden die Hürden für die meisten Verbraucher sein", sagte Ken Dulaney, Vizepräsident des Marktforschungsinstituts Gartner. Für das kommende Jahr sagt Gartner dem Tablet PC einen Marktanteil bei Notebooks von allenfalls rund einem Prozent voraus. Erst 2007 würden 35 Prozent aller Notebooks Funktionen des heutigen Tablet PCs besitzen. Auch die Marktforscher von IDC gehen von einem eher langsamen Start aus. Eine Stückzahlen von einer Million verkaufter Geräte werde der Tablet PC nach IDC- Schätzung im Jahr 2004 erreichen.

Bei allem Enthusiasmus des Microsoft-Gründers für die neue Technologie hält sich der Softwaregigant selbst in seinen Erwartungen hinsichtlich des geschäftlichen Erfolgs zurück. Der Tablet PC, der in Deutschland zu Preisen zwischen 2000 und 3000 Euro auf den Markt kommen soll, werde zunächst vor allem Geschäftskunden begeistern. Im Jahr 2003 wollen die Microsoft-Partner etwa 500 000 bis eine Million Stück verkaufen. Die Nachfrage werde jedoch rapide ansteigen, bis in vier bis sechs Jahren "nahezu alle" mobilen Computer diese Funktionen haben werden, sagte Microsoft-Vizepräsident Jeff Raikes.

Das "Herzstück" des Tablet PC ist seine Handschrifterkennung, die in eine spezielle Version des Betriebssystems Windows XP integriert ist. Nach Ansicht von Microsoft stellt sie einen technologischen Durchbruch dar. Sie soll handschriftlich eingegebene Texte besser als bisher üblich erkennen und auf Wunsch sogar in Maschinentext übersetzen. Nach Einschätzung von Experten ist die eingesetzte Technologie das derzeit am besten ausgereifte System. Bei einer krakeligen Handschrift habe das Microsoft-System jedoch ebenfalls Probleme, sagte John McKinley, Technikchef des Beratungsunternehmens Merryll Lynch.

Abzuwarten bleibt, ob die neuartigen Funktionen des Tablet PCs in der Lage sind, für den Verbraucher genügend Anreize zu liefern, um den Bedarf an neuen Rechnern und neuer Software zu beleben. Ob der Tablet PC tatsächlich reif für den Massenmarkt ist, könnten Branchenbeobachter möglicherweise am Verhalten der beiden wichtigsten Notebook-Hersteller ablesen, die sich bislang noch zurückgehalten haben. Sollten sich Dell und IBM für die Produktion von Tablet PCs entscheiden, könnte dies ein Indiz für seine Massentauglichkeit sein.

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