Microsoft und Nintendo wollen Sony auf die Pelle rücken
Spielend Geld machen

Mit neuen Spielekonsolen wollen Microsoft und Nintendo dem Marktführer Sony auf die Pelle rücken. Auf der Cebit spielten jedoch weder X-Box noch Gamecube eine Rolle. Bei Sony wurde dafür umso eifriger gedaddelt - bis Microsoft dem Treiben Einhalt gebot.

Der Sony-Stand auf der Cebit ist ein wuchtiger Lichttempel: Riesige weiße Würfel mit hohen Lichtdecken locken den Zuschauer ins Innere. Plasma-Bildschirme, mobile Kommunikationsmitteln der Zukunft protzen mit der allerneuesten Technik - doch die Menschentrauben scharten sich um ein Gerät, die schon seit zwei Jahren auf dem Markt ist: die Playstation 2.

An den 27 Spielekonsolen wurden Autorennen gefahren und geballert, was das Zeug hält. Keiner der Spieler war über 30. Viele ältere Männer blieben neugierig stehen, manche guckten den Jungs schon mal minutenlang über die Schulter. Keine Chance, ein freies Plätzchen an einer der Konsolen zu ergattern. Die Playstation 2 war immer noch ein Renner auf der Cebit.

Zumindest bis Sonntag: Dann nämlich musste Sony sämtliche 27 Playstation-2-Geräte abbauen. Microsoft hatte sich bei der Deutschen Messe AG in Hannover beschwert. Erstmals in der Cebit-Geschichte musste ein namhafter Aussteller in diesem Umfang Produkte von seinem Stand entfernen. Grund dafür: Nach den Cebit-Regeln dürfen im Prinzip weder Unterhaltungselektronik noch Spiele gezeigt werden. Microsoft selbst präsentiert seine "Xbox" deshalb nur hinter Glas.

Die X-Box ist ein abgespeckter PC

Microsoft verspricht sich viel von seiner X-Box, doch gedaddelt und geballert wurde auf der CeBIT zunächst anderswo. Das hat das Redmonder Unternehmen natürlich geärgert, schließlich hat die seit Donnerstag in Deutschland verkaufte X-Box technisch viel mehr drauf, als die Konkurrenz. Das protzige Gehäuse verbirgt einen Intel-Pentium-III-Prozessor mit einer Taktrate von 733 Megahertz, eine Festplatte und einen Internetanschluss. Ein Test der Zeitschrift "Computer-Bild" attestierte der X-Box auch die beste grafische Auflösung. "Die X-Box ist im wesentlichen ein abgespeckter PC", sagt Maic Masuch, Computerspiele-Spezialist der Uni Madgeburg.

Tolle Technik, erkennt auch die Konkurrenz an - und findet sie zugleich überflüssig. DVD-fähig sind alle drei Konsolen - und der Rest kann warten, wenn es nach Nintendo und Sony geht.

Die Nintendo-Macher verzichten auf allen technischen Schnickschnack. "Wir sind keine Multimediakonsole. Lieber bleiben wir preiswert", argumentiert Nintendo-Sprecher Nicolas Stiller. Denn der Gamecube soll den Massenmarkt abdecken. "Wir wollen auch Leute erreichen, die vielleicht nur eine viertel Stunde am Tag spielen wollen. Nur die Hardcore-Spieler kaufen sich die X-Box", sagt Stiller.

Weltmarktführer Sony reagiert auf die X-Box mit demonstrativer Gelassenheit. Die tolle Grafikkarte der X-Box nutze wenig, solange ein herkömmlicher Fernseher in Punkto Auflösung nicht Schritt halten kann, findet Sony-Sprecher Guido Alt. "Kaum jemand hat einen Plasma-Fernseher zuhause, der mehr kann." Alle Spielekonsolen würden bei der grafischen Qualität vom Fernseher ausgebremst, bestätigt Informatiker Maic Masuch.

Auch bei Sony setzt man darauf, dass die Kunden in erster Linie spielen wollen. "Wir wollen die Playstation nicht zum Arbeitscomputer für?s Wohnzimmer aufrüsten", argumentiert Manfred Gerdes, Chef von Sony Entertainment Deutschland (SCEE). Das kann der Spieler demnächst selbst erledigen. Wer mit seiner Playstation 2 auch e-mails verschicken und online shoppen will, soll noch in diesem Jahr online gehen können, verspricht Sony.

X-Box für 399 Euro bei Media Markt und Saturn

Die hochwertige Ausstattung der X-Box treibt auch deren Preis in die Höhe. Während der Gamecube 249 Euro kosten wird und die Playstation 2 für 299 Euro über den Ladentisch geht, wollte Microsoft seine X-Box gar für satte 479 Euro unter?s deutsche Volk bringen. Doch die wichtigsten Vertriebspartner zogen nicht mit..

Saturn und Media-Markt ließen die Preise purzeln: Aus 479 wurden 399 Euro, in einem Leipziger Media-Markt ging die High-Tech-Konsole schon für 349 Euro über die Ladentheke. Sony-Chef Gerdes wertet diese Rebellion der Vertriebsmärkte gegen die Microsoft-Preisempfehlung als "zeitgeschichtliches Ereignis". Es sei noch nie vorgekommen, "dass ein Handelspartner ein jungfräuliches Produkt so dermaßen verblasen hat", sagt Gerdes mit sichtlicher Genugtuung.

Mit Computerspielen wird das Geld verdient

An der X-Box selbst wird Microsoft also kaum verdienen. Das Unternehmen verkauft die X-Box sogar unter den Herstellungskosten. Aber auch die Konkurrenz sponsort ihre Hardware, sagt Maic Masuch von der Uni Magdeburg. Mit der passenden Spiele-Software wird das große Geschäft gemacht. "Wir haben in diesem Geschäftsjahr mit der Hardware nur minimalen Gewinn verbucht", bestätigt SCEE-Chef Manfred Gerdes. "Mit der Software verdienen wir das Geld."

Und bei der Software hat die Playstation die Nase vorn. 400 verschiedene Spiele haben die Japaner im Angebot. Auch der Gamecube wird im Mai diesen Jahres mit nur 20 Spielen starten. Die ersten X-Box-Daddler haben nur 18 Spiele zur Auswahl. Dass es mehr werden, versucht Sony zu verhindern. Die Playstation-Macher bieten Spielefirmen an, 25 Prozent der Kosten zu übernehmen, falls sie Titel für die Playstation 2 entwickeln.

Doch Microsoft hat einen Trumpf im Ärmel, der die ganze Spiele-Branche umkrempeln könnte: sein Betriebssystem. Alle Computerspiele für PC?s sind auf diesen Standard geeicht. Das macht Spieleproduzenten das Leben leicht. Sie müssen nicht immer von Grund auf neu programmieren wie bei den übrigen Spielekonsolen. Dort finden sie jedes Mal eine völlig unterschiedliche Hardware vor.

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