Microsoft und Sony kämpfen um die selbe Zielgruppe
Neue Konkurrenz für die Playstation

In den USA hat der Wettbewerb der Spielekonsolen um das Weihnachtsgeschäft begonnen. Seit Sonntag sind mit Nintendos Gamecube alle großen Konsolen verfügbar. Am Donnerstag gab Microsoft seinen Einstand.

LAS VEGAS/PALO ALTO. Für die Nintendo Co. Ltd. steht in den kommenden Wochen viel auf dem Spiel: Am Donnerstag wird das amerikanische Weihnachtsgeschäft mit dem Super-Verkaufswochenende nach dem Feiertag Thanksgiving eingeläutet - und es muss für den Erfinder der Comic-Figur Pokemon ein Erfolg werden. Seine neue Spielekonsole Gamecube - in Japan nur wenige Tage nach dem 11. September eingeführt - hat die in sie gesetzten Hoffnungen bislang nicht erfüllen können, die Verkaufszahlen blieben weit hinter den Erwartungen zurück. Einen Flop in den USA kann sich Nintendo deshalb nicht leisten. Der Konzern will in einer ersten Welle 700 000 Gamecubes zu je 199 $ auf den US-Markt werfen.

Branchenbeobachter machen vor allem die geringe Anzahl von Spielen zum Start - in Japan waren es nur drei - für den schleppenden Absatz verantwortlich. Die Analysten warten jetzt auf die Zahlen zum zweiten Quartal, die Nintendo am 21. November veröffentlicht. Erst dann könne man die Entwicklung besser einschätzen.

Der Softwarekonzern Microsoft Corp. hat seine erste Bewährungsprobe im Konsolengeschäft überstanden. Die 299 $ teure X-Box kam am vergangenen Donnerstag in die Läden. Das Ereignis war mit hohem Marketingaufwand sorgfältig inszeniert; Microsoft-Gründer Bill Gates persönlich überreichte in der Nacht zum Donnerstag auf dem Times Square in New York die erste handsignierte Konsole.

Prall gefüllte Lager bei Sony

Jeder Händler in den USA hatte 30 bis 50 X-Boxen bekommen - die waren am Donnerstag Morgen in den meisten Geschäften binnen weniger Minuten ausverkauft. 15 bis 20 Spiele soll es dazu zunächst geben. Von den Spielekonsolen-Herstellern ist Microsoft mit der geringsten Stückzahl ins Rennen gegangen: Gerade 300 000 Boxen kommen zum Start in die Geschäfte. Die anfangs angekündigten 600 000 bis 800 000 Konsolen hatte Microsoft nicht liefern können. Jetzt will der Softwarekonzern aus Redmond/Washington pro Woche weitere 100 000 der in Mexiko gefertigten Konsolen nachliefern. Analysten und Softwarehersteller sind aber skeptisch: So hält etwa Stan McKee, Finanzvorstand des Softwarekonzerns Electronic Arts, das von Microsoft gesetzte Ziel für "sehr optimistisch". Der Konzern will eine bis 1,5 Millionen Boxen bis Jahresende verkaufen.

Der zögerliche Start behindert Microsofts Absicht, dem Marktführer Sony Corp. mit seiner Playstation 2 schnell Marktanteile abzunehmen: Während Sony mit prall gefüllten Lägern in das entscheidende Thanksgiving-Wochenende geht, werden nur rund 100 000 Microsoft-Boxen auf Käufer warten. Die gleich teuren Geräte von Sony und Microsoft sind für erwachsene Spieler, während Nintendo mit seiner billigeren Version, dem Gamecube, vor allem die Jugend ansprechen will.

Geht es nach den Herstellern, werden die Spielekonsolen eine entscheidende Rolle bei der Digitalisierung der Wohnzimmer spielen. Die Marktforschungsfirma Dataquest erwartet, dass der weltweite Verkauf von Video-Spielekonsolen im kommenden Jahr 49 Millionen Stück erreichen wird, nach 29 Millionen Einheiten im Jahr 2001. Während die PC-Branche weiter starke Umsatzeinbußen beklagt, erwarten Analysten für High-End-Videokonsolen und die dazu gehörenden Spiele ein Wachstum von je 20 % in den nächsten Jahren.

Playstation als Gewinnbringer

Hier führt unangefochten Sony mit mehr als 20 Millionen ausgelieferten Playstation 2. Und Sony-Präsident Kunitake Ando will nun auch eine Preissenkung bei der Playstation 2, die derzeit 299 $ kostet, nicht mehr ausschließen. Zudem erwägt Ando, den für 2004/2005 geplanten Start des Nachfolgemodells Playstation 3 vorzuziehen. Dann hätte Sony allerdings weniger Zeit, um die hohen Entwicklungskosten wieder einzuspielen.

Die Playstation ist traditionell ein starker Gewinnbringer - die erste hat in ihren Blütejahren rund 40 % des Konzernertrags geliefert. Derzeit verdient Sony nur mit Spielekonsolen und Filmen Geld, Unterhaltungselektronik und Musik schreiben rote Zahlen.

Microsoft droht nach Schätzungen der Investmentbank Merrill Lynch ein Verlust aus dem Konsolengeschäft von einer Mrd. $ bis 2005. Die X-Box werde pro Stück mit gut 100 $ Verlust verkauft. Eine Hardware-Subventionierung ist in der Branche allerdings üblich, die Gewinne werden mit Spiele-Software realisiert.

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