Microsoft-Verfahren
Analyse: Das Imperium lebt

Ein Klaps auf die Finger von Software-Gigant Microsoft ist das Ergebnis des langwierigen Microsoft-Prozesses - nicht emhr und nicht weniger.

Nach gut vier Jahren Dauer findet der Microsoft-Prozess ein eher unspektakuläres Ende. Das Ergebnis ist nicht viel mehr als ein Klaps auf die Finger für den US-Software-Riesen - gemessen an dem, was dem erklärten Monopolisten noch vor 18 Monaten drohte. Damals war eine Aufspaltung des Konzerns in zwei Unternehmen beschlossene Sache - das Imperium von Bill Gates wäre zerschlagen worden.

Davon ist nicht mehr viel übrig geblieben: Microsoft muss sich zwar fünf Jahre lang an eine Reihe von Auflagen halten. Doch die Dominanz von Microsoft im Markt für PC-Betriebssyteme und Bürosoftware wird dadurch nicht geschmälert. Denn die Schlachten auf dem PC sind geschlagen, und Microsoft ist mit einem Marktanteil von mehr als 90 Prozent längst der erklärte Sieger.

Also viel Lärm um nichts? Fast scheint es so. Denn Microsoft ist dank seines Quasi-Monopols bei Bürosoftware stärker denn je. Während die Konkurrenz unter der Krise in der IT-Branche ächzte, verdoppelte Microsoft seinen Gewinn im abgelaufenen Quartal locker - nicht zuletzt, weil Microsoft trotz heftiger Proteste der Kunden mit einer neuen Lizenzpolitik höhere Gebühren durchsetzen konnte. Die dominante Marktstellung machte sich also bezahlt.

Mehr noch: Die sicheren Gewinne auf Grund seiner Dominanz in zentralen Marktsegmenten erleichtern Microsoft den Vorstoß in andere Märkte. So gibt der Software-Riese im Jahr mehr als fünf Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung aus. Die Bargeldreserven von 40 Mrd. $ eignen sich zudem vortrefflich für Akquisitionen.

Denn: Die Schlachten um den PC sind zwar geschlagen, doch Microsoft hat längst neue Märkte im Blick. Internet-Dienstleistungen für Privat- und Firmenkunden, interaktives Fernsehen, Datenbanken, Video-Spiele und Mobiltelefone - kurzum, so ziemlich alle digitalen Geräte und Anwendungen - gelten in der Firmenzentrale als aussichtsreiche Wachstumsbringer für die Zukunft.

Zwar gibt es in den Märkten ausreichend Konkurrenz, etwa durch den Internet-Zugangsanbieter AOL, das freie Betriebssystem Linux oder den Hersteller von tragbaren Taschencomputern, Palm. Doch Microsoft hat die finanzielle Stärke, der Konkurrenz Marktanteile abzujagen. Bei den tragbaren Taschencomputern hat Microsoft sich bereits vorangetastet, auch beim Internet-Zugang gewinnt der Microsoft-Dienst MSN Boden gegenüber dem Rivalen AOL.

Diese Argumentation stieß bei der Richterin Colleen Kollar-Kotelly auf taube Ohren. Die Sanktionen könnten nicht andere Märkte betreffen als die, die in der ursprünglichen Klage aufgeführt waren, argumentierte sie. Theoretisch ergibt das Sinn. Doch praktisch zeigt es, dass der vier Jahre andauernde Anti-Kartellprozess weitgehend wirkungslos geblieben ist.

Kollar-Kotelly weiß um die Gefahr. Schließlich verglich sie Microsoft in ihren Ausführungen mit dem machtbewussten Prinzen Machiavelli und gelobte, ein scharfes Auge auf mögliche Verstöße gegen die Auflagen zu richten. Und hier liegt auch die kleine Hoffnung für die Konkurrenz: dass Microsoft sich nach dem langen rechtlichen Gerangel und der ein oder anderen wirklichen Schrecksekunde weniger aggressiv gegenüber der Konkurrenz verhält - angesichts der bisherigen Historie von Microsoft wohl eher eine fromme Hoffnung.

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