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Microsofts Sicherheitsproblem war Belastung für die Börsen

Die US-Börsen bekamen am Donnerstag eins auf die Mütze. Sowohl Dow Jones- als auch Nasdaq-Index dümpelten den ganzen Tag über im Minusbereich.

Vielleicht liegt es daran, dass die Anleger schon zu viel Geld für Weihnachtsgeschenke ausgegeben haben. Aktien wollen sie jedenfalls zurzeit nicht kaufen. Der Dow Jones-Index verlor 0,8 Prozent oder 85 Punkte. Die Nasdaq büßte 3,2 Prozent oder 64 Punkte auf 1920 ein.

Der dickste Brocken, den es zu verdauen galt, kam aus der Hightech-Ecke. Juniper Networks senkte schon vor Börsebeginn die Umsatzprognose für das laufende Quartal. Später kam noch Jabil Circuit hinzu, ein Hersteller von Elektrogeräten für namhafte Marken. Das Unternehmen senkte die Gewinnprognose für 2002. Damit sind viele Investoren wieder skeptisch, ob der Aufschwung im Technologiebereich wirklich in den nächsten Monaten kommen wird. Die Aktien scheinen angesichts der erwarteten Gewinne insgesamt etwas zu hoch bewertet. Sie sind ja auch im letzten Vierteljahr ansehnlich gestiegen. Die Nasdaq hat beispielsweise ein Drittel zugelegt.

In besonders schwacher Verfassung zeigten sich die Bereiche Software, Chips und Computer. Hingegen machten vor allem Einzelhandels- und Pharmapapiere Zugewinne.

Auch die Lage in Argentinien stand an der Wall Street im Fokus. Immerhin waren nicht nur Tote zu beklagen, sondern auch auf politischer Ebene ist die Situation mehr als unsicher. Nach dem Rücktritt des Wirtschaftsministers deuteten sich im Handelsverlauf weitere Abgänge auf der Regierungsbank an.

Zudem zeichnete sich ab, dass das Wirtschaftspaket , das US-Präsident George W. Bush am Mittwoch bereits vollmundig verkündet hatte, zumindest vor Januar nicht den Weg durch den Senat finden wird. Konjunkturdaten spielen heute nicht die große Rolle. Am Freitag werden noch Angaben über das Verbrauchervertrauen, die von der Universität Michigan erhoben werden, veröffentlicht. Zudem stehen die endgültigen Angaben über das Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal auf der Tagesordnung.

Die Befürchtungen der Microsoft -Kritiker waren wohl berechtigt: Microsofts neueste Windows-Version hat einige größere Fehler. Hacker sind über das Internet in das Betriebssystem eingebrochen. Dabei ist es ihnen gelungen, Daten der jeweiligen Nutzer zu stehlen oder zerstören. Ein Sprecher von Microsoft gestand ein, dass Hacker durch das Internet Kontrolle über das gesamte System gewinnen könnten. Um die Sicherheitslücke zu beheben, bietet Microsoft über die Webseite des Konzerns eine kostenlose Software an, die das Leck stopfen soll. Microsoft bewirbt sein Betriebssystem mit den angeblich herausragenden Sicherheitsfunktionen. Die Aktie war im Dow und im Nasdaq Composite größter Verlierer.

Neuigkeiten kamen aus dem Bereich Merger & Aquisitions: Comcast hat den Zuschlag bekommen. Der Kabelnetzbetreiber wird die Netze von AT&T übernehmen. Dafür zahlt das Unternehmen weit mehr, als ursprünglich geboten wurde. Mit 40 Milliarden Dollar ist Comcast vor einigen Monaten ins Rennen gegangen, nun zahlt es 72 Milliarden Dollar für den begehrten Bereich. Konkurrenten wie Cox und AOL Time Warner sind leer ausgegangen. Comcast hat nun 22 Millionen Kunden in 41 Staaten der USA. Salomon Smith stufte die Aktie von AT&T von "neutral" auf "kaufen" auf. Comcast verlor rund sechs Prozent, AT&T hingegen stieg um rund fünf Prozent.

Gemischt präsentierte sich der Finanzsektor. Mehrere Investmentbanken haben ihre Geschäftszahlen vorgelegt. Lehman Brothers hat die Planzahlen eingehalten und tendiert freundlich. Bei Bear Stearns ist der Ertrag um 21 Prozent eingebrochen. Besser steht Goldman Sachs mit dem Gewinnrückgang da: Das Investmenthaus kann nur eine Reduzierung von 17 Prozent beklagen.

Der Netzwerksektor musste seine Standfestigkeit angesichts einer Umsatzwarnung beweisen. Juniper Networks hatte ein schwierigeres viertes Quartal als zuvor vermutet. Hat das Management vor kurzem noch einen Umsatz von 200 Millionen Dollar in Aussicht gestellt, werden es vermutlich nur gut 150 Millionen Dollar. Die Wirtschaftsflaute hinterlässt insbesondere bei den Technologiefirmen immer noch ihre Spuren. Juniper verlor rund 17 Prozent an Wert. Auch Cisco Systems konnte sich dem Abwärtssog nicht entziehen und lag mit rund fünf Prozent im Minus.

Weit besser lief der Tag für Palm . Die Aktie legte rund sieben Prozent zu. Bei Palm ist der Verlust im letzten Quartal leicht geringer als erwartet ausgefallen. Die verspätete Einführung neuer Produkte, die verschärfte Konkurrenz und der damit verbundene Preisverfall machen Palm zu schaffen. Der Konkurrent Handspring verlor rund sieben Prozent.

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