Miele W4000 und T9000
Sind Waschmaschinen sexy?

Mit der Hausgeräte-Generation W4000 und T9000 beugt sich leider auch Miele dem herrschenden Lifestyle-Wahn.

Postulat der heutigen Lifestyle-Gesellschaft ist, dass jede kleinste Alltagstätigkeit als ästhetischer Höhepunkt erlebt werden kann und muss. Davon zeugen Design-Hotels, Wellness-Oasen oder Lounge-Restaurants. Dass das Haus zum Theater und der Haushalt zur Show gemacht werden kann, war logische Konsequenz.

Alles fing an mit dem „Cocooning“ (das sich Einkapseln in der eigenen Wohnung), einem Begriff, der seine Wurzeln in jener hedonistischen Zeit hat, als Ronald Reagan die Welt regierte, Yuppies das Sushi entdeckten und man sich in einen Schlüsselanhänger verlieben konnte, wie der Protagonist von Marco Ferreris „I love you“ (1986). Die kleinsten Alltagsgegenstände nahmen neue Gestalt.

Erst war die Alessi-Welle: Kaum ein Dosenöffner oder eine Käsereibe durfte „normal“ sein. Dann kamen edle Kühlschränke, außerirdische Staubsauger und ergonomische Zahnbürsten. Von dem Trend unberührt blieb nur die Waschmaschine, Königin und Sklavin unter den Haushaltgeräten. Ein Leben im Waschkeller – wenn sie Glück hatte im Gäste-WC oder der Küche – war für sie reserviert.

Es gab bei Waschmaschinen im Prinzip nur zwei Klassen: Miele, und alle anderen. Über Miele gibt es Legenden, worüber sich Rolls Royce und Mercedes freuen würden. Nicht, dass die Miele schöner oder neuer gewesen wäre: Die 1981 eingeführte Miele-Klasse ist noch im Angebot. Miele hatte es einfach nicht nötig, schön zu sein. Die anderen dagegen schon.

Das zeigt die Innovationswelle, die 2002 mit Hoovers Vision anfing und heute bei New-Names wie Samsung und Billigmarken wie Gorenje endet: verspielte Fronten, künstlerische Grafiken, Mäusekino-Displays. Wichtigstes Sonderattribut: das überdimensionierte Bullauge, welches den täuschenden Eindruck vermittelt, in den normierten Würfel würde jetzt Doppel so viel hineinpassen.

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