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Mierscheid verlässt die SPD

Jakob Maria Mierscheid, Schneidermeister ade, hat so manches Stück teures Tuch zwischen seinen Finger gehabt und so manche Parteischlacht für die SPD geschlagen. Seine Veröffentlichung schlugen regelmäßig hohe Wellen, besonders 1985: In seinem Artikel: „Der Ausweg: Mehr Markt statt ...

Jakob Maria Mierscheid, Schneidermeister ade, hat so manches Stück teures Tuch zwischen seinen Finger gehabt und so manche Parteischlacht für die SPD geschlagen.

Seine Veröffentlichung schlugen regelmäßig hohe Wellen, besonders 1985: In seinem Artikel: „Der Ausweg: Mehr Markt statt Korruption“ beschrieb er im „Vorwärts“ weitsichtig und erhellend die Problematik der Verflechtung zwischen Gewerkschaften und Management. Wäre man damals seinen Empfehlungen gefolgt, vielleicht wäre uns die VW-Affäre erspart geblieben.


Immer kämpfte der 1933 im Hunsrück geborene Mierscheid für die Rechte der Arbeitnehmer und des Mittelstandes, besonders in seiner Zeit als Stellvertretender Vorsitzender des Mittelstandsausschusses 1981-82.

Aber auch ökologische Themen waren ihm nicht fremd. 1993 kam dann auch auf diesem Gebiet der Durchbruch als er in einem Beitrag zum 3. Hoechster Steinlaus-Symposium sich zu den ökologischen Kenndaten zum FCKW- Ersatzstoff R 134a. fachkundig und detailliert äußerte, lange bevor die Grünen das Thema entdeckten und daran scheiterten.

Ihm waren die Ökos eher fremd, er sehnte sich immer nach einer starken sozialdemokratischen Heimat, wie 1960, als er kurz nach seiner Meisterprüfung als ordentlicher Delegierter beim SPD-Parteitag in Hannover zum ersten Mal die große politische Bühne betrat.

Doch nun hat er sich auch der eigenen Partei entfremdet. Heute früh meldete die Nachrichtenagentur Reuters das Überraschende, etwas, womit in der SPD niemand gerechnet hatte: Jakob Maria Mierscheid tritt aus der Partei aus. Seit 1979 sitzt er im Bundestag und nun das!

„Natürlich ist es mir nach Jahrzehnte langer Mitgliedschaft bei der SPD schwer gefallen, der Partei Brandts und Wehners den Rücken zu kehren“, hieß es in einer Erklärung des Abgeordneten
von frühen Dienstagmorgen. „Für mich gilt jedoch der Grundsatz: "Im Zweifel für die Belange der Schwachen".“ Sein Parteibuch sei am Dienstagmorgen per Boten an die SPD-Parteizentrale geschickt
worden. „Meine Mitgliedschaft in der SPD ist damit mit sofortiger Wirkung hinfällig.“ Er wolle sich nun auf einen aussichtsreichen Listenplatz der Linkspartei/PDS um ein Bundestagsmandat bewerben. Über einen Eintritt in die PDS werde
er in den nächsten Tagen entscheiden.

Er habe „mit blutendem Herzen“ in den vergangenen sieben Jahren feststellen müssen, dass die SPD nicht länger die Interessen der Arbeiter vertrete, schrieb Mierscheid. Vielmehr buckele die SPD vor dem Kapital. Es ist schade im diesen großen Kämpfer der SPD.

Mehr zu Mierscheid gibt es >> hier.

PS: Um 12:38 hat Reuters die Meldung dann plötzlich zurückgezogen. Bleibt Mierscheid doch in der Partei? Wir bleiben dran und berichten weiter.


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