Mietwagenfirmen sind Vorreiter beim Verkauf über das Internet
Kaum Web-Schnäppchen bei Hotels und Flügen

Hotels, Airlines oder Reiseveranstalter lassen sich immer bequemer über das Internet buchen. Wer jedoch auf Preisnachlässe spekuliert, braucht noch viel Geduld und Flexibilität.

Mit virtuellen Führungen durch Lobbys, Zimmer und Fitnessbereiche werben die Maritim Hotels neuerdings um die Gunst ihrer Online-Gäste; Kunden des Lufthansa "infoflyway.com" haben seit dem 1. Juni Gelegenheit zur kurzfristigen Buchung so genannter "Webspecials" und Reiseveranstalter TUI hofiert die Reisenden im Netz mit ihrer "weltweit einzigartigen Flugbuchungsmaschine".

Immer mehr touristische Dienstleister erkennen das Potenzial des Internets als preiswertes und zukunftsträchtiges Vertriebsinstrument und "rüsten kräftig nach", so der Geschäftsführer beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Markus Luthe. Gewinner ist der Kunde. Über das Portal accorhotel.com beispielsweise, das am 20. Juni freigeschaltet wurde, lassen sich sämtliche Marken des Hotelgiganten von Ibis bis Sofitel bequem anzeigen und buchen. Selbst mittelständische Unternehmen wie die Lindner Hotels verkaufen ihre Zimmer heute online und interaktiv.

Doch damit enden die Gefälligkeiten der Anbieter meist auch schon. Reisende, die über das Internet auch Kosten sparen wollen, müssen zur Zeit noch zur Lupe greifen. Die Mega-Rabatte räumen vorläufig nur Pauschalreisende und Spontan-Bucher bei großen Discountern ab - Stichwort "lastminute.com" oder "ltur.de". Auch Auktionen um Resttickets und-reisen sind bei Urlaubern ohne Termindruck und fixen Zielort recht beliebt. Wer dagegen beim Dienstleister selbst auf Upgrades, Meilengutschriften oder eben Online-Nachlässe hofft, beißt vielfach auf Granit: "Das Internet bietet dem Kunden so viel Mehrwert", argumentiert etwa Gabriele Schulze, Geschäftsführerin der Best Western Hotels in Deutschland, "dass ich nicht noch zusätzlich mit Geld locken muss."



Trend zum Internet schlichtweg verschlafen

Die eigentlichen Gründe liegen woanders. Zahlreiche Airlines, Hotels, Mietwagenfirmen und Veranstalter haben den Trend zum Internet zunächst schlichtweg verschlafen. Heute fürchten sie, mit Web-Specials die Rache der um Provisionen bangenden Reisebüros auf sich zu ziehen. Einen Boykott könnten sich aber selbst Branchengiganten nicht leisten. Und so will weder die zu den führenden Fluggesellschaften zählende British Airways ein "Angebot gegen diesen wichtigen Partner schaffen" (British Airways), noch Marktführer TUI, der seinen "Schwerpunkt ganz klar im Reisebüro" sieht. Und für Spezialanbieter wie etwa Meier's Weltreisen steht sowieso fest: "Wir sind auf die gute Zusammenarbeit mit dem Reisebüro angewiesen."

Doch die Front bröckelt so schnell wie das elektronische Geschäft wächst. "Das Internet ist prädestiniert, Preisvorteile weiterzugeben", erklärt Dehoga-Geschäftsführer Luthe für die Hotellerie. "Wir sind zur Zeit am Experimentieren", erklärt die Swissair stellvertretend für die Flugbranche, die fieberhaft an Belohnungssystemen für den E-Bucher bastelt. Zum Beispiel British Airways: Zusammen mit zehn anderen europäischen Fluggesellschaften plant der britische Nationalcarrier die Gründung eines Online-Reisebüros und Ticketsupermarktes noch bis Ende des Jahres.

Zwar wolle man die Internettarife so konstruieren, heißt es etwa bei Lufthansa, "dass eine Kannibalisierung anderer Erträge vermieden und eine Zusatznachfrage generiert" werde. Wenn jedoch führende Fluggesellschaften wie die Lufthanseaten binnen drei Jahren die Hälfte ihrer Tickets über das World Wide Web vertreiben wollen, können auf Preisstabilität abzielende Planungen getrost als Wunschdenken abgetan werden.



Schnäppchenjäger müssen extrem flexibel sein

Bis günstige Internetraten jedoch zum Alltag gehören, muss der viel reisende Schnäppchenjäger allerdings extrem flexibel sein. So bietet zum Beispiel die irische Billigfluggesellschaft Ryanair auf ihrer Homepage den Flug nach London-Stansted für sensationelle 69 Mark an. Doch die Entlastung der Reisekasse bedeutet auch Beschwerlichkeiten: Abflugort ist das im Hunsrück gelegene Hahn. Das kann den Preisbewussten dann schon mal zwei Stunden mehr Anreisezeit kosten.

Darüber hinaus sind die Tickets der Billig-Airlines oftmals mit strikten Auflagen verbunden und nicht ohne weiteres umbuchbar. Wer seine Reise also nicht langfristig und zuverlässig planen kann, dem droht schnell der Verlust des gesamten Kaufpreises: Die Tickets verfallen, wenn sie nicht wie gebucht abgeflogen werden.

Zur echten Herausforderung kann die Buchung eines preiswerten Quartiers geraten. Die beinahe panische Angst des Beherbergungsgewerbes vor Preistransparenz hat lange Zeit viele Hoteliers vom Internet fern gehalten. Wer drin ist, gibt heute zwar großzügig Auskunft über die Ausstattung seiner Herberge. Preise gibt's jedoch bis heute vielfach nur auf Anfrage - telefonisch oder per E-Mail. Von speziellen Onlinetarifen ganz zu schweigen. "Günstige Internetraten wird es nicht geben", heißt es bei Maritim. Selbst internationale Luxushotelketten wie die Four Seasons Hotels planen keine Buchungs-Bonbons. Das Reisemagazin "Fliegen & Sparen" warnt sogar: "Oft sind die Preise bei der Direktbuchung sogar viel teurer als bei großen Veranstaltern oder Reservierungssystemen." Die 30-prozentigen Internet-Rabatte SRS-Worldhotels gehören damit ebenso zur Ausnahme wie die Anzeige aktueller Preisangebote bei Lindner.



Deutsche Bahn belohnt virtuelle Bucher

Mit Volldampf in die richtige Richtung fährt die Deutsche Bahn mit ihrem Surf & Rail-Angebot: Seit Herbst 1999 belohnt sie den virtuellen Bucher auf ausgewählten Strecken mit Preisnachlässen um bis zu 60 Prozent. Beispiel: Wer sich das Rückfahrticket für die Strecke Berlin-Frankfurt am Schreibtisch selbst ausdruckt, bezahlt für die zweite Klasse im ICE nur 145 statt 414 Mark - und damit sogar noch 62 Mark weniger als Bahncard-Inhaber.

Dafür aber unterliegt der Fahrausweis für das ähnlichen Konditionen wie ein preiswertes Flugticket: Die Buchung unter bahn.de ist fix, muss spätestens drei Tage vor der Hinfahrt erfolgen und kann nicht storniert werden. Zudem darf die Rückfahrt frühestens am Sonntag nach der Hinfahrt erfolgen. Da nützt es so manchem Reisenden dann eben gar nicht, dass die Bahn seit März auch auf so wichtigen Rennstrecken wie Köln-München im Internet zu punkten versucht.

Mietwagenfirmen als Vorreiter

Echte Vorreiter in Sachen E-Commerce sind die Mietwagenfirmen. Der aggressiven Vorreiterrolle eines Erich Sixt ( "das Internet ist die Mobilitätsplattform der Zukunft") sei Dank. Unter superguenstig.de hat Sixt eine - allerdings überschaubare - Schnäppchenseite eingerichtet, Konkurrent Hertz bietet "Tagesraten ohne wenn und aber" im Netz und auch Avis-Kunden sparen bei der Online-Buchung.

Am konsequentesten treibt Europcar seine Internet-Politik voran: Der Ausbau des kosten-, weil personalarmen Vertriebswegs Internet ist erklärtes Ziel der VW-Tochter. Zu diesem Zweck will Europcar-Chef Michael Kern nochmals "zweistellige Millionenbeträge" in den Web-Auftritt investieren. Schnäppchensucher wird das freuen: Unter europcar.de liegen alle Preise um bis zu 46 Prozent unter den Standardtarifen des Callcenters oder der Station vor Ort. Und zwar grundsätzlich.



ADRESSEN: DIREKTBUCHEN

www.bahn.de

www.british-airways.de

www.swissair.de

www.ryanair.com

www.lufthansa.com

www.tui.de

www.cn-touristic.de

www.ltu.de

www.bestwestern.de

www.maritim.de

www.accorhotel.com

www.lindner.de

www.fourseasons.com

www.srs-worldhotels.com

www.superguenstig.de

www.hertz.de

www.avis.de

www.europcar.de



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