Migrationsforscher: Aufenthaltsbeschränkung für Zuwanderer ist falsches Signal: Immer mehr junge Deutsche wandern aus

Migrationsforscher: Aufenthaltsbeschränkung für Zuwanderer ist falsches Signal
Immer mehr junge Deutsche wandern aus

Deutschland braucht nach Ansicht des Migrationsforschers Dieter Oberndörfer wesentlich mehr Zuwanderung als bisher. "Die Zahl der Zuwanderer liegt seit Jahren weit unter unserem demographischen Bedarf", sagte der Freiburger Politikwissenschaftler und Vorsitzende des Rates für Migration.

HB/dpa FREIBURG/BERLIN. "Besorgnis erregend ist dabei auch, dass immer mehr junge und hoch qualifizierte Deutsche ihr Land verlassen." Diese Entwicklung werde sich in den kommenden Jahren noch verschärfen.

Im Jahr 2001 zogen nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden noch 273 000 mehr Menschen nach Deutschland als weg zogen. Für 2002 rechnen die Statistiker mit 235 000. "Notwendig wäre aber eine Netto-Zuwanderung von mindestens 300 000 Menschen, denn die deutsche Bevölkerung wird immer weniger und älter", sagte Oberndörfer. Um diese Entwicklung abzufedern, sei die Zuwanderung ein entscheidendes Instrument. Bislang hätten besonders Spätaussiedler und ihre Angehörigen für Zuwanderung gesorgt. "Von ihnen wird es aber immer weniger geben."

Vor allem für die Wirtschaft müsse der Zuzug hoch qualifizierter Arbeitskräfte gewährleistet werden. Dabei sei etwa eine auf wenige Jahre beschränkte Aufenthaltserlaubnis für gut ausgebildete Ausländer das falsche Signal: "Dann kommt doch niemand mehr."

Das vorerst gescheiterte rot-grüne Zuwanderungsgesetz nannte Oberndörfer in diesem Zusammenhang zu zaghaft. "Es wäre aber besser als die jetzige Regelung." Den Einwand aus der Union, das Gesetz führe zu starker neuer Zuwanderung, bezeichnete das CDU-Mitglied Oberndörfer als "Vogel-Strauß-Politik", die den tatsächlichen Erfordernissen nicht gerecht werde. "Wenn ich einige Stimmen aus der Union höre, da kommen einem die Tränen."

Mit Sorge betrachtet Oberndörfer, dass immer mehr junge Deutsche ihr Glück im Ausland suchten. "Da unser Land wirtschaftlich stagniert, sehen gerade die hoch Qualifizierten in Kanada, Australien oder den USA bessere Zukunftschancen." Gut die Hälfte der Auswanderer sind nach Angaben des Statistischen Bundesamts zwischen 18 und 40 Jahre alt. Im vergangenen Jahr haben demnach 622 000 Menschen Deutschland verlassen. Oberndörfer: "Ich fürchte, dieser Trend wird sich verstärken."

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