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Migrationsforscher: Auffanglager lösen Problem der Illegalen nicht

Die von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) vorgeschlagenen Flüchtlingslager in Nordafrika können nach Einschätzung des Migrationsforschers Dieter Oberndörfer den massenhaften Zuzug von Illegalen nach Europa nicht bremsen.

dpa BERLIN. Die von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) vorgeschlagenen Flüchtlingslager in Nordafrika können nach Einschätzung des Migrationsforschers Dieter Oberndörfer den massenhaften Zuzug von Illegalen nach Europa nicht bremsen.

Als infam wies das Vorstandsmitglied des Rats für Migration die Behauptung Schilys zurück, mit den Illegalen kämen Kriminalität und Drogenhandel. "Das sind Armutsflüchtlinge, die nur ein Interesse haben: Keinen Konflikt mit der Polizei, weil sie dann sichtbar und abgeschoben werden", sagte Oberndörfer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Den Drogenhandel könne man nicht zu den Flüchtlingsdramen auf dem Mittelmeer in Bezug setzen. "Viele, die diesen gefährlichen Weg wählen, sind hochmotiviert. Das sind nicht die Dümmsten. Sie versuchen, mit unendlicher Energie nach Europa zu kommen, um dort leben und arbeiten zu können." In Deutschland leben nach Schätzungen zwischen 500 000 und eine Million Menschen illegal. "Kein Land hat es bisher geschafft, die Zuwanderung Illegaler aufzuhalten."

Nicht die Illegalen seien kriminell. "Die massenhafte Existenz von Illegalen kriminalisiert unsere Gesellschaft." Viele Firmen, etwa in der Baubranche oder im Gastronomiebereich, beschäftigten Illegale zu Billiglöhnen, zahlten keine Steuern und verschafften sich dadurch Wettbewerbsvorteile. "Das ist wie ein Krebs", sagte Oberndörfer. Um diese Schattenwirtschaft zu beseitigen, hätten Länder wie Spanien, Italien, Frankreich, aber auch die USA immer wieder Hunderttausende legalisiert. Voraussetzung für eine Legalisierung sei, dass der Antragsteller nicht gegen das Gesetz verstoßen hat.

"In Deutschland muss eine Debatte über Legalisierung geführt werden", forderte Oberndörfer. Vor allem müsse die gegenwärtige Lage humanisiert werden. Darum kümmere sich das von der Bischofskonferenz, der Caritas und anderen neu gegründete Katholische Forum für Illegale.

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