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Migrationsforscher: Integration nicht gescheitert

Die bisherige Integration von Einwanderern in Deutschland ist nach Ansicht des Bamberger Migrationsforschers Friedrich Heckmann nicht grundlegend gescheitert. „Integration ist ein langwieriger Prozess, der über Generationen dauert“, sagte Heckmann in einem dpa-Gespräch.

dpa BAMBERG. Die bisherige Integration von Einwanderern in Deutschland ist nach Ansicht des Bamberger Migrationsforschers Friedrich Heckmann nicht grundlegend gescheitert. "Integration ist ein langwieriger Prozess, der über Generationen dauert", sagte Heckmann in einem dpa-Gespräch.

Daher dürfe nicht nur auf die "typischen" Anfangsprobleme der Neueinwanderer geschaut werden. Bei der zweiten und dritten Einwanderergeneration gebe es durchaus Fortschritte bei der Integration.

Für Neueinwanderer sei es völlig normal, sich erst einmal innerhalb ihrer ethnischen Gruppe zu bewegen, da sie dort eine erste Orientierungshilfe erhielten, erläuterte Heckmann. Problematisch werde es erst dann, wenn sich diese Kontakte innerhalb einer Migrantengruppe über Generationen verfestigten und soziale Beziehungen nicht nach außen ausgeweitet würden.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie USA, Großbritannien oder Frankreich sei die räumliche Konzentration von Migranten in Deutschland "auf jeden Fall unterdurchschnittlich". Die Berliner Bezirke wie Neukölln oder Kreuzberg fielen deswegen besonders auf, "weil es eben nicht der Normalfall ist", sagte Heckmann und empfahl: "Keine Orientierung an einer multikulturellen Gesellschaft, sondern: Orientierung an einer kulturellen Annäherung."

Letztlich gehöre dazu auch die deutsche Staatsangehörigkeit für die Einwanderer. Ihnen einen Verfassungspatriotismus zu vermitteln, reiche aber nicht aus, sagte der Migrationsforscher. "Wir müssen auch versuchen, sie für die Symbole, Feiern und Feste unserer Gesellschaft zu gewinnen." Dafür sei Zeit und Geduld nötig: "Deutsche Auswanderer in verschiedene Ländern legen ihr Deutschtum auch nicht von heute auf morgen ab."

Der in der aktuellen Debatte vielfach benutzte Begriff "Parallelgesellschaft" sei zwar populär, aber unvollständig: "Diese Gesellschaften können im Bezug auf ganz zentrale Bedürfnisse wie Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Rechtssystem nicht selbstständig sein", erklärte der Soziologieprofessor. Der Begriff beziehe sich vielmehr auf die zivilgesellschaftliche Trennung.

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