"Migrationsverweigerer"
Mobilfunknetz C wird zum Jahresende abgeschaltet

Am 31. Dezember wird gegen 24.00 Uhr das Mitte der 80er Jahre gestartete C-Netz außer Betrieb genommen. Die bei der analogen Mobilfunktechnik verbliebenen C-Netz-Kundenzahl belief sich nach Angaben des Betreibers Deutsche Telekom auf zuletzt "deutlich unter zehntausend".

Reuters FRANKFURT. Die meisten der einst 900 000 Kunden mit einem C-Netz-Mobiltelefon nutzen inzwischen den 1992 eingeführten digitalen Mobilfunk der D-Netze und der später gestarteten E-Netze. Die bei der analogen Mobilfunktechnik verbliebenen C-Netz-Kundenzahl belief sich nach Angaben des Betreibers Deutsche Telekom auf zuletzt "deutlich unter zehntausend".

Bei der Mobilfunktochter Telekom-D1 werden die wenigen tausend verbliebenen C-Netz-Kunden als "Migrationsverweigerer" bezeichnet, da sie trotz mehrmaliger Anschreiben des Unternehmens nicht auf die modernere Technik umstellen wollen. Die letzten C-Netz-Kunden versucht die Telekom nun mit einer kostenlosen Rufumleitung zu einem T-D1-Mobilfunkanschluss zum Umsteigen zu bewegen. Mit diesem Service bleiben die Mobilfunk-Veteranen über den Jahreswechsel hinaus noch für sechs Monate unter ihrer C-Netz-Rufnummer mit der Vorwahl 0161 erreichbar.

Von der rechnischen Revolution zum Auslaufmodell

Das C-Netz galt bei seiner Einführung als technische Revolution der ersten Generation der Mobilfunktechnik. Bei verbesserter Gesprächsqualität und höherer Übertragungssicherheit machte es das C-Netz erstmals möglich, einen Mobilfunkteilnehmer nahezu im gesamten Gebiet der Bundesrepublik unter einer Rufnummer zu erreichen. In den ebenfalls auf analoger Basis arbeitenden A- und B-Netzen war das Empfangsgebiet noch in mehrere Vorwahlbereiche eingeteilt, so dass unter Umständen mehrere Versuche nötig waren, damit Anrufer den Mobilfunkanschluss erreichten.

Doch hinter den digitalen D- und E-Mobilfunknetzen bleibt der technologische Standard des C-Netz inzwischen weit zurück, was sich unter anderem in den wesentlichen größeren und schwereren Geräten zeigt. Zudem können durch den GSM-Standard (Global System for Mobile Communications) die handlichen Mobiltelefone der D- und E-Netze auch im Ausland betrieben werden. Wegen der Umstellung von analoger auf digitale Technik werden die D- und E-Netze auch als zweite Mobilfunkgeneration bezeichnet.

Einen deutlichen Nachfrageschub erlebte das C-Netz, nachdem 1989 als Alternative zu den als Autotelefon eingebauten Mobilfunkgeräten das erste Handgerät auf den Markt gekommen war. Nach dem Fall der Berliner Mauer baute die Telekom zügig Sendeanlagen in den neuen Bundesländern auf. In Folge der schwachen Telekommunikationsinfrastruktur in der ehemaligen DDR erwarben zahlreiche Unternehmen und Privatpersonen C-Netz-Mobilfunkgeräte, um überhaupt in den neuen Ländern telefonieren zu können. Das C-Netz ermöglichte schon damals den mobilen Empfang und Versand von Faxen und Daten.

Die Abschaltung des C-Netzes begründet der Telekom-Konzern mit wirtschaftlichen Zwängen. Die Weiterentwicklung der Mobilfunktechnik und der Aufbau einer neuen Netzinfrastruktur stünden für T-D1 im Vordergrund, hieß es. Mittlerweile steht mit dem Mobilfunkstandard UMTS (Universal Mobile Telecommunications System) die vierte Technik-Generation vor dem Start. Dafür werden allein in Deutschland zweistellige Milliardenbeträge investiert. UMTS soll es ermöglichen, Daten schneller und einfacher über Mobilfunknetze zu transportieren und das Handy zu einem multimedialen Alltags-Werkzeug zu machen.

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