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Mikrowelle schlägt Internet

Die Deutschen - ein Volk von Bremsern? Wenn es nach einer Umfrage des Allensbach-Instituts im Auftrag der Deutschen Studienpreises geht, durchaus.

42 Prozent der über 2000 Befragten gaben an, der technische Fortschritts gehe ihnen zu schnell - in Westdeutschland waren es sogar 44 Prozent.

Noch bemerkenswerter ist, was die Zeitgenossen für die Krone der Innovationen der letzten Jahre hielten. Deutlich vor allen digitalen Geräten landete der Bankautomat. Auf Platz zwei: die Mikrowelle. Erst dann folgen Mobiltelefon, Computer und das Internet. Am Ende der Liste folgen Hochgeschwindigkeitszüge und Fast Food.

Das anachronistische Fax-Gerät wurde sogar von mehr Teilnehmern zu den nützlichen Neuerungen gezählt als die E-Mail. Ja, leben wir denn noch im zwanzigsten Jahrhundert? Wird sich die Nachwelt an unsere Epoche etwa als die Zeit erinnern, in der die Mikrowelle das Leben der Menschen umkrempelte?

Spott beiseite. Die Umfrage rufen zwei Tatsachen ins Gedächtnis: Ohne Knete keine Fete, und erst kommt das Essen, dann die SMS. Geldautomat und Mikrowelle sorgen dafür, dass man schnell heißes Essen erwerben respektive zubereiten kann und befriedigen damit viel zentralere Bedürfnisse als alle digitalen Kommunikations-Werkzeuge. Eine SMS macht nicht satt, für eine E-Mail kann man sich nichts kaufen.

Insofern stehen Bankautomat und Mikrowelle durchaus zu recht an der Spitze. Nur das Fax-Gerät: Halten das 43 Prozent der West- und 32 Prozent der Ostdeutschen allen Ernstes für nützlicher als die E-Mail? Das zeigt, wie weit der Weg noch ist, bis die Digitalisierung in den Köpfen angekommen ist.

Doch es besteht Hoffnung: Handys, die den Weg zur nächsten Pizzeria weisen, und mit denen man auch gleich Taxi und Zeche bezahlen kann, wären quasi Mikrowelle und Geldautomat in einem. Endlich eine digitale Anwendung mit wahrem Nährwert.

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