Mildes Wetter unterstützte
Arbeitslosigkeit steigt geringer als erwartet

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Februar mit einer saisonbereinigten Zunahme um 1000 auf 3,979 Mill. geringer gestiegen als von Experten erwartet.

Reuters NÜRNBERG. Eine Trendwende sehen Analysten und Gewerkschaften aber noch nicht. Die Bundesregierung zeigte sich am Mittwoch zuversichtlich, dass der erwartete konjunkturelle Aufschwung in den nächsten Monaten auch den Arbeitsmarkt entlasten wird.

Kanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte, alle Konjunktursignale deuteten auf eine deutliche Belebung der amerikanischen und der Weltwirtschaft, aber auch der deutschen Wirtschaft hin. Die Zahl der Arbeitslosen sei weiterhin viel zu hoch. Positiv sei, dass die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit längerer Zeit signifikant zurückgehe. Der Kanzler wies darauf hin, dass die Arbeitslosenzahl im Februar 1998 vor Antritt seiner rot-grünen Regierung um eine halbe Million höher gelegen habe.

Die unbereinigte Arbeitslosenzahl blieb knapp unter der Marke von 4,3 Mill. und stieg im Vergleich zum Januar um 6200 Erwerbslose auf 4,296 Mill., wie die Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg weiter mitteilte. Im Vergleich zum Februar 2001 bedeutet dies eine Zunahme um 183 500. Die Arbeitslosenquote betrug wie im Januar 10,4 %.

Riester sieht Talsohle erreicht

Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) bezeichnete die Lage auf dem Arbeitsmarkt als weiterhin ernst, zeigte sich aber zuversichtlich, dass die wirtschaftliche Belebung im Jahresverlauf auf den Arbeitsmarkt durchschlagen werde. "Mittlerweile mehren sich die Zeichen, dass die konjunkturelle Talsohle erreicht ist", sagte Riester in Berlin. In den USA könne im Verlauf des Jahres mit einem kräftigen Wachstum gerechnet werden. "Davon werden auch die exportorientierte deutsche Wirtschaft und der Arbeitsmarkt profitieren." Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye sagte, die neuen Zahlen stimmten hoffnungsvoll.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ursula Engelen-Kefer sagte, die größten Probleme gebe es in Ostdeutschland. "Die Stagnation auf dem Arbeitsmarkt kann nicht als Vorbote eines Frühjahrsaufschwungs gedeutet werden", sagte sie weiter.

Die Opposition warf der Bundesregierung Konzeptlosigkeit vor. Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) sagte bei einer Arbeitsmarktkonferenz der Union in Gelsenkirchen, bei der Regierung herrsche "Ratlosigkeit, Hilflosigkeit und Unklarheit". Rot-Grün habe es versäumt, die Voraussetzungen für Wachstum und neue Arbeitsplätze zu schaffen. CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer warf Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) vor, er habe versagt. Der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle verwies darauf, dass die Zahl der Arbeitslosen so hoch sei wie seit drei Jahren nicht mehr. Eigene Akzente der Regierung für mehr Beschäftigung seien nicht in Sicht.



Bundesanstlt erwartet ab März Frühjahrsimpuls

Der stellvertretende Präsident der Bundesanstalt, Heinrich Alt, sagte, es sei vor allem der relativ milden Witterung im Februar zu verdanken, dass der Anstieg so verhalten ausgefallen sei. Er erwarte ab März einen "Frühjahrsimpuls" auf dem Arbeitsmarkt. Alle Indikatoren wie etwa der jüngste ifo-Geschäftsklimaindex sprächen dafür, dass im Frühjahr eine konjunkturelle Belebung einsetze. Am Arbeitsmarkt sei davon aber noch wenig zu spüren", fügte Alt hinzu, der die Zahlen an Stelle von Behördenchef Bernhard Jagoda vorstellte. Wegen der Affäre um fehlerhafte Vermittlungsstatistiken geht Jagoda in den Ruhestand. Seine Nachfolge soll im März der rheinland-pfälzische Sozialminister Florian Gerster (SPD) antreten.

Die saisonbereinigte Entwicklung verlief im Westen und Osten Deutschlands gegensätzlich. Um Saisoneinflüsse bereinigt stieg die Arbeitslosenzahl im Februar im Vergleich zum Januar im Westen um 7000, während sie in Ostdeutschland um 6000 abnahm. In Westdeutschland waren 2,789 Mill. Menschen (plus 166 300 im Vergleich zum Februar 2001) arbeitslos gemeldet, im Osten 1,507 Mill. (plus 17 200). Das entsprach Arbeitslosenquoten von 8,3 (West) und 19,2 % (Ost).

Arbeitsmarktexperten hatten für Februar einen deutlicheren Anstieg auf über 4,3 Mill. Erwerbslose erwartet. Auch bei der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit waren Experten von einer größeren Zunahme ausgegangen. Von Reuters befragte Volkswirte hatten einen Anstieg um etwa 20 000 erwartet.

Experten rechneten damit, dass im Februar die unbereinigte Arbeitslosenzahl den Höchststand vor der Bundestagswahl am 22. September erreicht hat. Ab März gehen die Zahlen aus saisonalen Gründen wieder zurück. Mit einem Rückgang der saisonbereinigten Zahlen rechnen Experten frühestens in der zweiten Jahreshälfte.

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