Militär greift mehrere Ziele an
Israels Armee übernimmt Kontrolle in Teilen des Gaza

Israel hat in der Nacht zu Dienstag erstmals seit 1994 die Kontrolle über autonome Teile des Gaza-Streifens übernommen. Die Palästinenser warfen Israel vor, es habe palästinensisches Gebiet besetzt. Die israelische Armee teilte mit, sie habe die Kontrolle übernommen, um die andauernde Gewalt in den Palästinensergebieten zu beenden.

rtr GAZA-STADT. Die vorangegangenen Angriffe des Heeres, der Marine und Luftwaffe waren die heftigsten gegen Ziele im Gaza-Streifen seit Beginn des Palästinenser-Aufstandes Ende September. Stunden zuvor hatte Israel erstmals seit fünf Jahren syrische Ziele im Südlibanon bombardiert, aus dem es im Mai seine Truppen abgezogen hatte.

Das israelische Militär griff mehr als vier Stunden lang mindestens sieben Ziele im Gaza-Streifen an, darunter das Hauptquartier der Palästinenser-Polizei in Gaza-Stadt und Einrichtungen der Elite-Einheit von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat. Der Gaza-Streifen wurde komplett abgeriegelt. Palästinenser-Kreisen zufolge wurden mindestens ein Mensch getötet und 27 verletzt. Stunden zuvor war die israelische Stadt Sederot nördlich des Gaza-Streifens mit Granaten beschossen worden. Zu dem Angriff bekannte sich die Militärorganisation der radikal-islamischen Hamas. Diese kündigte weitere Anschläge an. Die Hamas habe mit dem Granatbeschuss auf Sederot Vergeltung für einen israelischen Mord an einem ihrer Mitglieder geübt.

An der Küste des Gaza-Streifens und im Flüchtlingslager in Dier el Balah schlugen nach Angaben aus Palästinenser-Kreisen Raketen in Gebäude von Arafats Elite-Einheit ein. Auch die Lager Chan Junis und Rafah an der Grenze zu Ägypten wurden angegriffen. Planierraupen zerstörten Häuser und mit Sandsäcken ausgebaute Stellungen der Palästinenser, von denen aus nach israelischen Angaben jüdische Siedler angegriffen worden waren.

Peres tritt Befürchtungen eines neues Nahost-Krieges entgegen

Der israelische Brigadegeneral Ron Kitrey sagte im Hörfunk, Israel spreche nicht von Besetzung im Gaza-Streifen, sondern von einer Übernahme der Kontrolle. Seine Truppen seien an einigen Stellen bis zu einen Kilometer tief auf palästinensisches Gebiet vorgestoßen und könnten dort einige Tage oder auch "einige Tage länger" bleiben, bis die Palästinenser-Regierung in ihren Gebieten Ordnung hergestellt und die Gewalt beendet habe. Israel hatte 1994 zu Beginn des Friedensprozesses fast den gesamten Gaza-Streifen an die Palästinenser übergeben.

Israels Außenminister Schimon Peres trat Befürchtungen entgegen, die Eskalation im Konflikt mit den Palästinensern und Syrien könne zu einem neuen Nahost-Krieg führen. Der palästinensische Kabinettminister Hassan Asfur warf Israel dagegen vor, Teile des Gaza-Streifens wieder einnehmen zu wollen. Es sei klar, dass Israel das Kriegsgebiet ausgedehnt habe, sagte Asfur. Mit der Wiederbesetzung palästinensischer Gebiete habe Israel einen neuen und gefährlichen Schritt getan.

Syrien in Alarmbereitschaft

"Das ist der brutalste Angriff, den wir ertragen mussten", sagte der Leiter des palästinensischen Katastrophenschutzes, Muawijah Hassnein. Ein Einwohner von Gaza-Stadt sprach von einem "Feuerwerk aus der Hölle". Eine exakte Zahl der Verletzten lag zunächst nicht vor. Bei der anhaltenden Gewaltwelle in den Palästinenser-Gebieten im Gaza-Streifen und Westjordanland wurden bisher mehr als 460 Menschen getötet.

Die Lage im Nahen Osten hatte sich in der Nacht zu Montag verschärft, als Israel erstmals seit fünf Jahren wieder eine syrische Stellung im Libanon beschoss. Bei den Luftangriffen auf eine Radar-Stellung waren drei syrische Soldaten getötet und sechs verletzt worden. Israel sprach von einem Vergeltungsschlag nach Angriffen der von Syrien unterstützten radikal-islamischen Hisbollah-Miliz. Syrien und andere arabische Länder sprachen von einer neuen Aggression Israels. Syrien, das als Ordnungsmacht im Libanon gilt, versetzte seine dort stationierten 35 000 Soldaten in Alarmbereitschaft. Der syrische Außenminister Faruk el Schara sagte, Israel werde eine angemessene Antwort zu einem angemessenen Zeitpunkt erhalten.

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