Militär übernimmt Wache
Britische Feuerwehren im Acht-Tage-Streik

In Großbritannien hat sich der Konflikt zwischen der Regierung und der Feuerwehrgewerkschaft FBU verschärft. Punkt 9.00 Uhr traten die Feuerwehrleute am Freitag landesweit in einen achttägigen Streik, nachdem in der Nacht ein Tarif-Kompromiss in letzter Minute gescheitert war.

HB/dpa LONDON. FBU-Chef Andy Gilchrist machte die Regierung von Tony Blair verantwortlich. Sie habe die Einigung mit den lokalen Arbeitgebern aus "fadenscheinigen Gründen kaputt gemacht".

Es ist der zweite Streik der Feuerleute innerhalb einer Woche. Allerdings dauerte die erste Arbeitsniederlegung nur 48 Stunden. Armee und Freiwillige Feuerwehren hatten in dieser Zeit die Brandbekämpfung übernommen. Während dieses Ausstandes starben bei Hausbränden sieben Menschen. Eine Verbindung zu möglichen Verzögerungen bei ihrer Rettung wurde aber in keinem Fall nachgewiesen.

Der geplatzte Kompromiss sah eine abgestufte Einkommensanhebung von 16 % über zwei Jahre vor, machte aber eine Modernisierung bei den Feuerwehren zur Bedingung. Beide Verhandlungsseiten hatten die Gespräche in der Nacht mehrmals als konstruktiv bezeichnet. Von einem Kompromiss sei man nur eine "Haaresbreite" entfernt, hatten die kommunalen Arbeitgeber mehrfach betont. In den frühen Morgenstunden verweigerte Vize-Premierminister John Prescott auf Anfrage der Arbeitgeber allerdings telefonisch die Zustimmung.

"Wenn er dem Vertrag zugestimmt hätte, ohne ihn vorher zu sehen, hätte er einen ungedeckten Scheck unterschrieben", begründete eine Sprecher das Verhalten. FBU-Funktionäre kritisierten, dass die Regierung den Vertrag erst von 9.00 Uhr an prüfen wollte - zu Streikbeginn.

Wie in der Vorwoche werden nun vermutlich rund 19 000 Soldaten die Arbeit der 50 000 streikenden Feuerwehrleute übernehmen. Dazu werden sie rund 800 Militär-Feuerlöschwagen aus den 50er Jahren einsetzen. Auch die Londoner U-Bahn wird von dem Ausstand betroffen sein, denn viele Fahrer könnten sich aus Sicherheitsgründen weigern, ihren Dienst zu tun.

Der Streik ist der erste seit 25 Jahren. Auch 1977 war die Armee beim Streik eingesetzt worden. Sollten das Kräftemessen zwischen FBU und Regierung anhalten und weiterhin kein Kompromiss erzielt werden, stehen im Dezember zwei weitere Acht-Tage-Streiks an.

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