Militärairbus
Analyse: Der Wettbewerb bleibt auf der Strecke

Bei der Auswahl des Triebwerks für den ersten europäischen Militärtransporter A400M hat der Blick in das klamme Steuersäckel nicht den ökonomischen Sinn der europäischen Politiker geschärft.

Eine leere Staatskasse ist gewiss kein schöner Anblick, doch sie fördert bisweilen die Disziplin, wirtschaftlich zu handeln. Bei der Auswahl des Triebwerks für den ersten europäischen Militärtransporter A400M hat der Blick in das klamme Steuersäckel nicht den ökonomischen Sinn der europäischen Politiker geschärft. Im Gegenteil: Allen vollmundigen Ankündigungen zum Trotz haben sie sich bei der Vergabe des Milliardengeschäfts doch wieder eingemischt - und zahlen. Es galt zu verhindern, dass die nordamerikanische Pratt & Whitney das europäische Konsortium Europrop International (EPI) ausbootet.

Airbus-Chef Noël Forgeard hatte eigentlich keine Wahl: Das Angebot, das am günstigsten und damit auch wettbewerbsfähigsten ist, sollte gewinnen. Auf diese Konditionen hatten sich die beteiligten Länder vor der Ausschreibung geeinigt. In letzter Minute hat die Intervention von Frankreichs Präsident Jaques Chirac der europäischen Triebwerksindustrie einen wichtigen Auftrag gesichert. Doch der Wettbewerb, an dem es vor allem im Rüstungsgeschäft mangelt, ist unter die Räder gekommen. Dabei sollte gerade die Airbus-Ausschreibung den Beweis liefern, dass Europas Rüstungssektor offen für Wettbewerb ist.

Die Folgen mangelnden Wettbewerbsdenkens zeigen sich an vielen Stellen im europäischen Wehrtechnikgeschäft: So gab es immer wieder teure nationale Doppelentwicklungen wie der Kampfjet Eurofighter und das französische Pendant Rafale. Meist geht es um den Erhalt von Arbeitsplätzen bei den nationalen Rüstungsfirmen. Die müssen beschäftigt werden, um zu überleben, da kommt es am Ende auch nicht so sehr darauf an, ob ein Projekt ein paar Euro mehr kostet.

Dieser Argumentation lässt sich folgen: In die Rüstungsaufträge fließt das Geld des Steuerzahlers, Vater Staat ist meist auch der einzige Kunde der Unternehmen. Nicht ohne Grund trägt der gesamte Bereich daher Züge einer Planwirtschaft. Man müsse eine gesamtwirtschaftliche Rechnung aufmachen, heißt es auch im Falle der Triebwerke für den Militärairbus beim europäischen Konsortium. Kein Auftrag heißt: Es fallen Jobs weg, und die Arbeitslosen liegen dem Steuerzahler wieder auf der Tasche.

Doch das ist zu kurz gedacht: Die europäischen Rüstungskonzerne müssen sich einem globalen Markt stellen. Wollen sie langfristig überleben, müssen sie sich bei internationalen Ausschreibungen durchsetzen. Da hilft es nicht, die beste Technik zu haben, auch der Preis muss stimmen. Wer zum Beispiel an einem der zahlreichen US-Programme mitschrauben möchte, muss vor allem ein Kriterium erfüllen: Er muss preiswerter sein als alle anderen Bewerber.

Der ordnungspolitische Sündenfall der Regierungen beim A400M hat nur einen positiven Effekt: Aus dem Triebwerkskonsortium EPI könnte das Gerüst für einen neuen europäischen Hersteller entstehen, der im Militärgeschäft durch seine Größe in der Lage ist, in Zukunft US-Konkurrenten wie Pratt & Whitney ohne politische Schützenhilfe zu unterbieten. Der Weg, unliebsame Konkurrenten mit Steuergeldern aus einem Rüstungsgeschäft zu drängen, hat langfristig keine Zukunft. Die Technologien, die Europas Armeen in Zukunft brauchen, lassen sich sowieso nicht im Alleingang entwickeln und bezahlen.

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