Militärdiktatur in Argentinien
Daimler-Chrysler werden Verbrechen zur Last gelegt

Der argentinische Rechtsanwalt Ricardo Monner Sans hat am Montag in Buenos Aires Strafanzeige gegen Daimler-Chrysler wegen des Vorwurfs der Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen unter der Militärdiktatur (1976-1983) erstattet.

HB/dpa BUENOS AIRES/STUTTGART. Mercedes-Benz Argentinien habe damals Namen und Adressen von 14 linken Betriebsräten und Gewerkschaftern an das Militär gegeben, die anschließend von den Militärs verschleppt und seither verschwunden seien.

Monner Sans vertritt Angehörige der Opfer. Die Staatsanwaltschaft in Nürnberg ermittelt in diesem Fall bereits wegen des Verdachts der Beihilfe zum Mord. Ein belasteter Manager von Mercedes-Benz bestreitet, die Namen weitergegeben zu haben.

Fast zeitgleich rief Daimler-Chrysler in Stuttgart eine unabhängige Kommission ins Leben, die die seit Jahren erhobenen schweren Vorwürfe gegen Mercedes-Benz-Manager in Argentinien klären soll. Die Kommission wird vom Berliner Völkerrechtler Professor Christian Tomuschat geleitet.

Es sei das erste Mal, dass sich ein deutsches Großunternehmen auf mögliche Menschenrechtsverletzungen untersuchen lasse, sagte die Journalistin Gaby Weber, die sich seit Jahren um eine Klärung der Vorgänge während der Diktatur bei Mercedes-Benz-Argentinien bemüht. Die offizielle argentinische Metall-Gewerkschaft SMATA habe sich mit Hilfe des Unternehmens und der Militärs der innerbetrieblichen Konkurrenz unabhängiger gewählter Betriebsräte entledigt, sagt Weber.

Am Donnerstag hatte sie im argentinischen Parlament die Kopie eines Briefes des damaligen Vorstandsmitgliedes von Daimler Benz, des später von der RAF ermordeten Hanns-Martin Schleyer, an den Vorsitzenden der IG-Metall und Präsidenten des Internationalen Metallarbeiterbundes IMB, Eugen Loderer, übergeben.

In dem Schreiben vom Mai 1976 kurz nach dem Militärputsch habe Schleyer betont, Mercedes-Benz-Argentinien arbeite eng mit der SMATA zusammen. Aus dem Brief gehe weiter hervor, dass das Unternehmen bei der Aussonderung von Arbeitern beteiligt war, die die Militärs für subversiv hielten, sagte Weber weiter. Während der Diktatur ließen die Militärs nach Schätzungen von Menschenrechtsgruppen bis zu 30 000 Menschen verschwinden.

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