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Militärermittler: Häftlinge von Abu Ghoreib «aus Spaß» misshandelt

Fort Bragg (dpa) - Die Häftlinge im irakischen Gefängnis von Abu Ghoreib sind nach Angaben eines US-Militärermittlers von den Soldaten «aus Spaß» und nicht auf höheren Befehl misshandelt worden.

Fort Bragg (dpa) - Die Häftlinge im irakischen Gefängnis von Abu Ghoreib sind nach Angaben eines US-Militärermittlers von den Soldaten «aus Spaß» und nicht auf höheren Befehl misshandelt worden.

Das sagte der US-Offizier Paul Arthur nach US-Medienberichten am ersten Tag einer Anhörung der US-Soldatin Lynndie England vor einer Militärkommission in Fort Bragg (North Carolina). Die Kommission muss entscheiden, ob sich England vor einem Militärgericht verantworten muss.

Die 21-Jährige ist eine der Hauptfiguren im Misshandlungsskandal von Abu Ghoreib, der im Frühjahr weltweit Abscheu und Entsetzen ausgelöst und zu einer öffentlichen Entschuldigung von US-Präsident George W. Bush geführt hatte. Auf einem von über 1000 Fotos hält England einen am Boden liegenden nackten Iraker wie ein Tier an einer Leine, die dem Häftling um den Hals geschnürt worden war.

Nach Angaben von Militärermittler Arthur hat England ausgesagt, dass die Bilder mit nackten Häftlingen «nur aus Spaß» gemacht worden seien. «Sie (die Soldaten) haben nicht gedacht, dass es etwas Ernsthaftes sei (...) Sie haben herumgealbert», sagte der Offizier. Nach Angaben des Militärermittlers Warren Worth hatte England gegen die Aufnahme der Bilder auch keinerlei Einwände gemacht.

Der im siebten Monat schwangeren Soldatin drohen nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN im Falle eine Schuldspruchs bis zu 38 Jahre Gefängnis. Außer England müssen sich noch sechs weitere US-Soldaten in dem Misshandlungsskandal verantworten. Einer von ihnen bekannte sich bereits schuldig und erhielt eine Gefängnisstrafe von einem Jahr.

England erschien am Dienstagmorgen in Armeeuniform vor dem Gebäude auf dem Stützpunkt Fort Bragg. Die Anhörung ist auf mehrere Tage angesetzt. Sollte die Kommission den Fall an ein Militärgericht verweisen, rechnen Rechtsexperten mit einem Prozess frühestens in diesem Herbst.

Englands Verteidiger wollen geltend machen, dass die Soldatin lediglich Befehle befolgte. Dies hatte England selbst in einem Fernsehinterview im Mai gesagt. Sie sei angewiesen worden, für die Bilder zu posieren. Damit sollten andere Gefangene eingeschüchtert werden, und die Taktik sei auch erfolgreich gewesen. Englands Verteidiger glauben, dass die junge Frau zum Sündenbock gemacht werden soll.

Unterdessen wurde am Dienstag bekannt, dass auch mehrere dänische Soldaten im Verdacht der Gefangenenmisshandlung im Irak stehen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kopenhagen sagte, gegen die Soldaten liefen Ermittlungsverfahren. Verteidigungsminister Søren Gade beorderte die Kommandeure des dänischen Truppenkontingents nach Dänemark zurück. Dänemark hat rund 500 Soldaten im Irak stationiert.

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