Militärexperten: Das Ende ist nah
US-Truppen greifen Stadtzentrum Bagdads an

US-Truppen haben am Montag mit einem großen Panzerverband das Zentrum Bagdads angegriffen und nach eigenen Angaben den Hauptpalast des irakischen Präsidenten Saddam Hussein besetzt. Reuters-Korrespondenten berichteten von schweren Kämpfen in der Innenstadt, Granat- und Maschinengewehrfeuer sei zu hören. "Bagdad ist jetzt eine Kampfzone", sagte Reuters-Reporterin Samia Nakhoul.

Reuters BAGDAD. Auch Wohngebiete seien betroffen. Das US-Militär sprach von einer Machtdemonstration, die nicht das Ziel habe, Boden zu erobern. Die USA erklärten zudem, die Hauptstadt sei durch Kontrollpunkte an allen Hauptzufahrtsstraßen eingeschlossen. Bei heftigen Gefechten mit irakischen Kämpfern kamen mehrere US-Soldaten ums Leben. Irak bezeichnete die Angaben über das Vorrücken der US-Panzer in das Zentrum Bagdads als Lüge. Im Süden Iraks kontrollieren die britischen Truppen nach eigenen Angaben nun den größten Teil der zweitgrößten irakischen Stadt Basra. An den Finanzmärkten sorgte das Vorrücken der US-Truppen für Kurssprünge bei Aktien. Der Dollar gewann ebenfalls deutlich an Wert, während der Preis für Öl auf den tiefsten Stand seit November sank.

Ein US-Militärsprecher sagte, der Einsatz in Bagdad sei bislang äußerst erfolgreich. Es seien 65 Panzer und 40 weitere Kampffahrzeuge beteiligt. "Wir haben den Hauptpalast des Präsidenten in der Innenstadt Bagdads erobert", sagte er. "Es gibt dort unten zwei Paläste, und wir sind in ihnen." Bei schweren Gefechten um zwei Brücken östlich des Zentrums kamen nach US-Angaben zwei US-Marinesoldaten ums Leben, als eine Artilleriegranate die Panzerung ihres Fahrzeugs durchschlug. Mehrere US-Soldaten wurden verletzt. Die Brücken wurden bei den Kämpfen so stark beschädigt, dass sie für Panzer nicht mehr passierbar sind. US-Truppen hatten bereits am Wochenende Vorstöße in die Hauptstadt unternommen, bei denen nach US-Angaben 2 000 irakische Soldaten getötet wurden.

Reuters-Reporterin Nakhoul sagte, zwei Panzer stünden am Tor eines Palastes im Zentrum. US-Einheiten hätten das Gelände gestürmt. Irakische und US-Soldaten lieferten sich in der Innenstadt Feuergefechte. "Überall rasen Krankenwagen durch die Straßen, um Opfer zu retten", sagte sie. Die Menschen hätten sich in ihren Häusern verschanzt. Über dem Zentrum der Stadt standen Rauchschwaden. Offenbar zündeten irakische Verteidiger nun auch im Zentrum mit Öl gefüllte Gräben an, um wie zuletzt vor den Toren der Stadt mit dem schwarzen Rauch den US-Truppen die Sicht zu erschweren. Über Opfer unter der Zivilbevölkerung durch die Angriffe lagen zunächst keine Berichte vor. Bereits am Wochenende hatten Helfer gesagt, die Krankenhäuser der Stadt seien überfüllt.

USA: Wir haben die Initiative

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums sagte, der Vorstoß demonstriere, dass die USA sich nach Belieben in der Stadt bewegen könnten. "Wir haben hier die Initiative", sagte er. Ein Sprecher des britischen Militärs forderte die irakische Regierung zur Kapitulation auf. "Lasst uns weiteres Blutvergießen verhindern", sagte er dem Fernsehsender Sky.

Iraks Informationsminister Mohammed Said el Sahaf sagte dagegen, es habe keinen großen US-Vorstoß gegeben. In Sichtweite von amerikanischen Panzern auf der anderen Seite des Flusses Tigris erklärte er, die US-Streitkräfte würden abgeschlachtet: "Die Ungläubigen begehen zu hunderten Selbstmord an den Toren von Bagdad." Den Lügnern solle kein Glauben geschenkt werden, sagte Sahaf.

Eine US-Militärsprecherin sagte dem Sender Fox News, alle wichtigen Straßen nach Bagdad seien mit Kontrollposten belegt. "Wir werden diesen Druck aufrechterhalten, bis das Regime zusammenstürzt".

Das US-Militär teilte zudem mit, nun die Kontrolle über die den Schiiten heilige Stadt Kerbela südlich von Bagdad zu haben. Dort sei es zu heftigen Gefechten mit irakischen paramilitärischen Einheiten gekommen, die Nachschublinien bedroht hätten. In der südirakischen Stadt Basra kontrollieren britische Truppen mittlerweile nach eigenen Angaben den größten Teil der Stadt. Nach britischen Angaben ist dort der Cousin Saddams, Ali Hassan el Madschid, vermutlich bei den Angriffen getötet worden. Madschid war von Saddam zum Militärkommandeur für den Südirak ernannt worden. Er soll 1988 den Giftgaseinsatz Iraks gegen Kurden im Nordirak verantwortet haben.

Militärexperten: Das Ende ist nah

Der Militärexperte Andrew Brookes vom Londoner Institut für Strategische Studien (IISS) sagte zu den Entwicklungen in der Hauptstadt: "Ich glaube, das war's. Basra wird fallen, Bagdad wird fallen." Der befürchtete Widerstand sei ausgeblieben. "Nach zweieinhalb Wochen ist alles zu Ende." Der Experte Wladimir Kusar von der russischen Militärzeitschrift "Krasnaja Swesda" sagte: "Der Kampf um Bagdad könnte sich noch etwas hinziehen, aber ich erwarte, dass alles in ein paar Tagen vorbei ist." Es könnte jedoch Jahre dauern, bis die USA die Stadt sicher unter Kontrolle hätten. "Es wird ein Guerilla-Krieg werden."

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