Militärische Gewalt erwogen
USA erwägen Kurswechsel bei Geiselnahmen

Die Ermordung des in Pakistan entführten US-Journalisten Daniel Pearl hat wieder einmal das Interesse auf das Schicksal von Amerikanern gelenkt, die im Ausland von kriminellen Banden oder Gruppierungen mit politischem Anliegen als Geiseln gehalten werden.

wiwo/ap WASCHINGTON. Auf den Philippinen beispielsweise befindet sich seit Monaten das Missionarsehepaar Gracia und Martin Burnham in der Hand der Abu-Sayyaf-Rebellen, die auch die deutsche Familie Wallert in ihrer Gewalt hatten.

Angesichts der Häufung solcher Fälle - etwa auf den Philippinen oder in südamerikanischen Ländern wie Ecuador oder Kolumbien - hat sich die US-Regierung nun zu einem Kurswechsel bei der Handhabung von Entführungen amerikanischer Staatsbürger entschlossen. Nach einer am Mittwoch verkündeten neuen Strategie sollen künftig alle Anstrengungen unternommen werden, um US-Bürger aus der Hand von Entführern zu befreien. Das schließt auch die Möglichkeit militärischer Mittel ein, wie Außenamtssprecher Richard Boucher erklärte. Dies war in der alten Richtlinie aus dem Jahr 1995 ausgeschlossen.

Nach wie vor werden jedoch die Zahlung von Lösegeld und andere Konzessionen an die Entführer abgelehnt. Dies würde Kidnapper nur zu weiteren Geiselnahmen ermuntern, sagte Boucher. Auch US-Firmen, deren Mitarbeiter im Ausland entführt werden, sind angewiesen, kein Lösegeld zu zahlen. Doch diese Linie - das hat sich schon in der Vergangenheit gezeigt - lässt sich nicht immer durchhalten. So zahlte im vergangenen Jahr ein internationales Ölkonsortium für die Freilassung von sieben in Ecuador entführten Mitarbeitern - darunter vier Amerikaner - 13 Millionen Dollar Lösegeld. Zuvor hatten die Entführer eine US-Geisel umgebracht.

Auch in solchen Fällen will die US-Regierung nach Worten Bouchers künftig alles unternehmen, um der Entführer habhaft zu werden und sie vor Gericht zu stellen. Die neue Strategie bei Entführungen von US-Bürgern im Ausland wurde bereits in der Endphase der Regierung von Präsident Bill Clinton im Nationalen Sicherheitsrat erörtert. Sie ist das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen dem Geheimdienst CIA, dem Pentagon, dem Justizministerium und der Bundeskriminalpolizei FBI. Wie aus Regierungskreisen verlautete, gab es heftige Diskussionen zwischen den einzelnen Behörden.

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