Militärische Unterstützung für die USA
Schröder kündigt Einsatz der Bundeswehr an

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) erwartet, dass Deutschland den USA bald umfangreichere militärische Hilfe leisten wird. "Ich gehe davon aus, dass wir schon in Kürze umfangreichere Hilfe leisten müssen - auch mit unseren militärischen Möglichkeiten", sagte Schröder bei einer Besichtigung des Pharmaunternehmens Merck in Darmstadt.

ap/rtr DARMSTADT/BERLIN. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Kritik an der Bombardierung Afghanistans durch Amerikaner und Briten zurück gewiesen. Es sei das Ziel der Verbündeten, zivile Ziele zu schonen, sagte Schröder bei einem Besuch des Pharmaherstellers Merck am Dienstag in Darmstadt: "Ermahnungen braucht es nicht." Der Kanzler kündigte an, Deutschland werde schon in Kürze den Verbündeten weitere Hilfe im Kampf gegen den Terror leisten müssen, "auch mit unseren militärischen Möglichkeiten."

Schröder widersprach erneut der Forderung der Grünen nach einer Feuerpause. Er verstehe und respektiere das Mitgefühl für die Opfer der Angriffe. Es dürfe den Terroristen jedoch keine Gelegenheit gegeben werden, neue Anschläge vorzubereiten. Es handele sich nicht um einen Konflikt, den die USA vom Zaun gebrochen hätten, sagte der SPD-Vorsitzende. Gegen die Gewalt der Terroristen helfe nur Gegengewalt: "Wir sind auf der richtigen, weil gerechten Seite."

Der Kanzler zeigte sich überzeugt, dass der Westen die Auseinandersetzung mit dem islamischen Terrorismus für sich entscheiden könne: "Wir werden gewinnen." Er sei überzeugt, dass die Menschen in Deutschland zusammen stehen, "weil sie wissen, worum es geht." Viele Bürger hätten Angst und Sorge vor der weltweiten Entwicklung. "Zu Besorgnis gibt es Anlass, aber nicht zu Angst", betonte Schröder. Aus Sorge könnten Wachsamkeit, Entschlossenheit und Kraft erwachsen.

"Wir sind verpflichtet, im Interesse unserer eigenen Werte an die Seite der Amerikaner zu treten", sagte der Regierungschef weiter: Die USA hätten die uneingeschränkte Solidarität Deutschlands verdient. Diese Solidarität gelte es nun auch zu beweisen. Der Kanzler machte keine näheren Angaben dazu, mit welchen auch militärischen Mitteln Deutschland den Verbündeten helfen werde. "Die USA werden mehr Hilfe bekommen", sagte Schröder auf Nachfrage von Journalisten. Die Entscheidungen über die Art der Hilfe würden gefällt, wenn entsprechende Bitten vorlägen.

Der Kanzler sagte, die Terroranschläge in New York gingen die Deutschen direkt an. New York sei in der Vergangenheit für Flüchtlinge aus aller Welt "immer auch ein Stück Verheißung und Sicherheit an Leib und Leben gewesen." Auch aus Deutschland vertriebene Juden seien in der Stadt am Hudson gelandet, hätten dort Obhut gefunden und neu anfangen können. Die Stadt sei damit ein Symbol für Menschlichkeit und Freiheit. So seien von den Terroranschlägen des 11. September auch die Werte betroffen, die sich Deutschland nach dem Krieg zu eigen gemacht habe. Diese Werte müsse Deutschland nun zusammen mit seinen Verbündeten verteidigen.

Glos rechnet schon bald mit Entscheidung über Militärbeitrag

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos hat bereits vor Gerhard Schröder erklärt, dass der Bundestag in Kürze über einen konkreten militärischen Beitrag Deutschlands im Kampf gegen den Terrorismus zu entscheiden habe. Glos sagte am Dienstag vor Journalisten in Berlin, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe die Partei-und Fraktionsvorsitzenden am Vorabend darüber unterrichtet, "was uns möglicherweise bevorsteht in Afghanistan". Es zeige sich, dass es nicht allein beim Wort von der uneingeschränkten Solidarität bleiben werde. Möglicherweise schon in zwei Wochen könne es sein, dass Deutschland beim Wort genommen und dem Bundestag ein entsprechender Beschluss abverlangt werde.

"Wenn jemand glaubt, es sei alles ausgestanden, das sind falsche Hoffnungen", sagte Glos. Was Schröder am Vorabend vorgetragen habe, "war schon ein Stück weit in einer Konkretisierungsphase" im Hinblick auf einen militärischen Beitrag Deutschlands. Für den Kanzler sei klar gewesen, dass er einlöse, was er erklärt habe, nämlich uneingeschränkte Bündnissolidarität. Glos fügte seine Einschätzung hinzu: "Die Amerikaner werden ihre Verbündeten in ihre Operationen einbeziehen."

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