Milliarden für russischen Atommüll
Russland wird Vollmitglied der G 8

Russland soll überraschend 2006 Vollmitglied der Gruppe der acht führenden Länder dieser Welt (G8) werden und in dem genannten Jahr auch statt Deutschland erstmals den Weltwirtschaftsgipfel ausrichten.

Reuters CALGARY. In ihrer Einschätzung der Weltkonjunktur waren sich die Staats- und Regierungschefs der sieben wichtigsten Industrienationen am Mittwoch offiziellen Angaben zufolge einig, dass in 2003 eine weitere Verbesserung der Lage zu erwarten sei.

Die Teilnehmer des derzeit im kanadischen Ferienort Kananaskis tagenden Gipfels beschlossen, Russland vollständig in ihren exklusiven Club und seine Untergliederungen, wie das Finanzministertreffen der Gruppe der Sieben (G7), aufzunehmen. Dies sei eine ", zehn Jahre, nachdem Russland erstmals als Gast an dem Treffen teilgenommen hatte.

Zugleich wollen die USA und die Europäer nach den Worten des deutschen Gipfel-Beauftragten (Sherpa) Alfred Tacke mit bis zu 20 Mrd. $ helfen, in Russland nukleare Gefahrenstoffe zu beseitigen oder sicher zu lagern. Daneben einigten sie sich, für die Entschuldungsinitiative zu Gunsten der ärmsten Länder (HIPC) zusätzlich eine Milliarde $ aufzuwenden. Zur Verhinderung von Attentaten auf den internationalen Verkehr vereinbarten sie eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen für den Flug- und Schiffsverkehr. Am zweiten Tag ihres Treffens wollen die G-8-Staaten einen Afrika-Aktionsplan beschließen, um dem Kontinent im Kampf gegen Armut und Unterentwicklung zu helfen.

"Heute haben wir eine historische Entscheidung für die Zukunft der G8 getroffen", hieß es in einer G8-Erklärung. Russland habe bewiesen, dass es eine wichtige und sinnvolle Rolle bei der Lösung globaler Probleme spielen könne. Zugleich bedeute die Entscheidung eine Anerkennung der wirtschaftlichen und demokratischen Transformation des Landes. Russland war bisher nur teilweise in G8-Prozesse einbezogen. Bei Beratungen über wirtschaftliche und finanzielle Fragen blieb es ausgespart.

Besondere Genugtuung dürfte die Aufnahme Russlands bei Bundeskanzler Gerhard Schröder auslösen, der sich seit langem für einen solchen Schritt ausgesprochen hatte. Schröders Beauftragter für den Gipfel, Wirtschaftsstaatssekretär Alfred Tacke, sagte, in der "sehr intensiven Diskussion" hätten sich besonders Schröder und Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac für Russlands Vollmitgliedschaft stark gemacht. Russland werde im Jahr 2006 an Stelle Deutschlands den Gipfel ausrichten - Deutschland folge dann 2007.

Zum zentralen Diskussionspunkt des ersten Gipfeltages sagte der derzeitige Präsident des Treffens und kanadische Regierungschef Jean Chretien: "Alle stimmen darin überein, dass die Situation 2002 besser ist als 2001 und dass sie sich in 2003 weiter verbessern wird." Dies gelte auch trotz der Vertrauensverluste, die durch Bilanzfälschungen bei US-Firmen entstanden seien. Vor Beginn des Gipfels hatte ein weiteres großes US-Unternehmen Bilanzfälschungen zugegeben. Der Fall zog weltweit Verluste an den Aktienmärkten nach sich.

Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus wollen die G-8-Staaten noch während ihres Treffens ein Programm ausarbeiten, um nukleare, chemische und biologische Gefahrstoffe speziell in Russland, aber auch in anderen Ländern zu beseitigen oder sicher zu lagern. Die USA und die europäischen Länder wollten für diesen Zweck über zehn Jahre hinweg "bis zu 20 Mrd. $" bereitstellen, sagte Tacke. Das Programm solle auch verhindern, dass Terroristen Risikomaterial erhalten.

Darüber hinaus sind die Staats- und Regierungschefs Tacke zufolge bereit, einen deutsch-britischen Vorschlag anzunehmen, für die Entschuldungsinitiative zu Gunsten der ärmsten Länder (HIPC) zusätzlich eine Milliarde $ aufzuwenden. Ein Teil des Geldes solle weiteren Entschuldungen dienen, ein anderer Länder mit "guter Regierungsführung" entlasten, sagte Tacke. Mit dem Programm ist bisher eine Entschuldung von 26 armen Länder um rund 40 Mrd. $ eingeleitet worden.

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