Milliarden für Schuldenabbau
Telekom will keine Dividende zahlen

Die hochverschuldete Deutsche Telekom wird nach dpa-Informationen ihren Aktionären in diesem Jahr keine Dividende zahlen. Das wurde am Dienstag aus Aufsichtsratskreisen bekannt.

HB/dpa BONN. Die Deutsche Telekom enttäuscht ihre ohnehin gebeutelten drei Millionen Kleinanleger: der hochverschuldete Konzern will für 2002 keine Dividende zahlen, wie die dpa am Dienstag aus Kreisen des Aufsichtsrates erfuhr. Leer geht nach den Informationen auch Bundesfinanzminister Hans Eichel aus, da der Bund noch einen Anteil von 43 Prozent an der Telekom hält. Der Verlust für die Staatskasse könnte sich auf mehrere hundert Millionen Euro belaufen. Die Telekom, die Nummer eins der Branche in Europa, kommentierte diese Informationen nicht.

Der Vorschlag muss noch vom Aufsichtsrat gebilligt werden, der am Donnerstag zusammenkommt, um auch über den Nachfolger von Ex-Telekom-Chef Ron Sommer zu bestimmen. Letztlich muss die Hauptversammlung über den Dividendenausfall entscheiden. Damit könnte die Telekom bei einem Verzicht auf eine Ausschüttung etwa 1,5 Milliarden Euro zum Schuldenabbau verwenden. Im vergangenen Jahr hatte die Telekom eine Dividende von 0,37 Euro gezahlt.

Am Donnerstag legt das Unternehmen auch seine Neun-Monats-Bilanz vor, die voraussichtlich einen Rekordverlust von bis zu 28 Milliarden Euro ausweist. Der arbeits- und wirtschaftspolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Johannes Singhammer, warf der Bundesregierung Versagen vor. Der Bund als Großaktionär der Telekom sei mit verantwortlich dafür, dass "aus der einstigen Volksaktie endgültig ein Kapitalvernichtungsprogramm für den kleinen Mann geworden" sei.

Als Favorit für die Sommer-Nachfolge gilt der jetzige T-Mobile - Chef Kai-Uwe Ricke (41). Der Interims-Vorstandsvorsitzende Helmut Sihler wechselt dann nach vier Monaten auf dem Chefposten zurück in den Aufsichtsrat. "Er hat hervorragende Arbeit geleistet", sagte Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus der dpa.

Bereits am Mittwoch will die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di vor der Telekom-Zentrale in Bonn demonstrieren. Der geplante Abbau von rund 55 000 Arbeitsplätzen gefährde den sozialen Frieden beim ehemaligen Staatsunternehmen. Die T-Aktie gehörte am Dienstag zu den größten Gewinnern im Deutschen Aktienindex. Das Papier legte, beflügelt von den Technologiewerten, bis zum späten Nachmittag um rund 4 Prozent auf 11,15 Euro zu.

Ebenfalls am Mittwoch leitet Winkhaus in der Konzernzentrale eine Sitzung des Aufsichtsratspräsidiums. Das vierköpfige Gremium wird dabei nach Angaben aus Aufsichtsratskreisen ein letztes Mal die Strategie für die Wahl des neuen Vorstandsvorsitzenden abstimmen. Auch soll die Neun-Monats-Bilanz mit hauseigenen Experten durchgesprochen werden. Das Gesprächsklima im gesamten Aufsichtsrat sei gut und kooperativ, sagte Winkhaus.

Es wird erwartet, dass die Telekom in ihren Büchern fast 20 Milliarden Euro abschreiben muss. Hinzu kommt voraussichtlich ein Minus im operativen Geschäft von 8 Milliarden Euro. Verursacht werden die Verluste größtenteils durch Wertberichtigungen von teuer eingekauften Töchtern (VoiceStream) und auf UMTS-Mobilfunklizenzen. Analysten rieten allerdings, den hohen Verlust nicht überzubewerten. "Wo ein neuer Vorstandschef antritt, wird die Bilanz bereinigt", sagte am Dienstag Telekom-Analyst Werner Stäblein von der BHF.

Nach Einschätzung von Aktionärsschützern wird die Telekom noch für mehrere Jahre ein Restrukturierungsfall bleiben. Der neue Vorstandsvorsitzende werde keinen großen Handlungsspielraum haben. "Eine Vorwärtsstrategie ist nicht gefragt. Er muss die Telekom als Unternehmen sichern - egal, ob mit nationaler oder internationaler Ausrichtung", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, in einem dpa-Gespräch.

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