Milliarden-Programm der Bahn soll viele Einkaufsmeilen schaffen
Für die zügige Sanierung der Bahnhöfe fehlen Fachleute

FRANKFURT/M. will nicht nur in den Hauptbahnhöfen, sondern auch in vielen mittleren und kleinen Stationen Shopping-Meilen mit Geschäften und Gastronomie schaffen. Nach Ansicht von Dieter Ullsperger, Vorstand Personenbahnhöfe, ist dafür reichlich Potenzial vorhanden. Von den rund 850 000 qm Gewerbefläche in den Bahnhöfen würden zurzeit 90 000 qm leer stehen, 70 000 qm davon sind nach eigener Einschätzung vermietbar.

Das ehrgeizige Bahnhofs-Sanierungsprogramm mit Investitionen von 10 Mrd. DM innerhalb von zehn Jahren kommt aber nur schrittweise voran. Derzeit sind 52 Projekte in einer konkreten Entwicklungsphase oder bereits im Bau, weitere 58 in der "Entwicklungsvorbereitung". Mehr sei nicht drin, betont Ullsperger: "Es gibt nicht genug Leute auf dem Markt der Bahnhofsentwicklung, weder für die Bauplanung noch für die Vermarktung. Die Bahn sei dabei, ihr Personal "massiv aufzustocken".

Im bundesweiten Schienennetz gibt es etwa 6 000 Stationen. Etwa die Hälfte davon hat Empfangsgebäude. In einem ersten Schritt trennt sich die Bahn AG von rund 1 000 dieser Bauten, weil sie nicht mehr benötigt werden. Mit dem Immobilienentwickler First Rail Property GmbH, Wiesbaden, ist laut Ullsperger ein Rahmenvertrag abgeschlossen worden, der eine Übergabe tranchenweise innerhalb von drei Jahren vorsieht. Reich werde die Bahn dabei nicht: "Das Erlöspotenzial ist sehr limitiert." Denn es handele sich um Problemstationen, in die mangels Verkehrsbedeutung oft schon über Jahrzehnte nicht mehr investiert wurde. Bei weiteren 800 Stationen wird noch geprüft, ob sich eine kommerzielle Nutzung lohnt.

Investieren will die Bahn überall dort, wo eine "ordentliche Kapitalverzinsung" von 12 % winkt. Das sei zwar ein "sehr anspruchsvolles Ziel", gleichwohl aber realistisch, "da wir die Liegenschaft ja schon besitzen", sagt Ullsperger.

Für die Bahnhofsentwicklung gibt es modulare Konzepte, die sich an Reisendenfrequenz und Bahnhofsumfeld orientieren - vom "Europabahnhof" an den "Flaggschiff- Standorten" (Ullsperger) bis zum "Landbahnhof". Generell wird eine Veränderung des Branchenmix angestrebt - weg von der Großgastronomie, hin zu mehr Läden.

Außerhalb aller Rendite-Überlegungen stehen Altlasten aus der Gründerzeit. "Denkmalpflege ist für uns ein Riesenthema", sagt der Bahnhofschef. Der Bahn-Eigentümer Bund sieht sich in der Pflicht: Rund 650 Mill. DM werden für die Sanierung der prächtigen Bahnhofshallen gestellt. Größtes aktuelles Projekt: die vierjährige Sanierung des Hallendachs vom Frankfurter Hauptbahnhof. Sie wird 230 Mill. DM kosten, 80 % davon zahlt der Bund.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%