Milliardenklage gegen Daimler-Chrysler
Großinvestor bezeichnet Schrempp als Lügner

Der Milliardär Kirk Kerkorian hat den Autobaukonzern auf 9 Mrd. Dollar wegen Irreführung von Aktionären verklagt.

ap DETROIT/STUTTGART. Der US-Milliardär und Investor Kirk Kerkorian hat eine Klage über 9 Mrd. Dollar (21 Mrd. DM) gegen DaimlerChrysler eingereicht. Kerkorians Firma Tracinda wirft Konzernchef Jürgen Schrempp vor, die Chrysler-Aktionäre belogen zu haben. DaimlerChrysler erklärte dazu am Dienstag: "Das Unternehmen prüft zurzeit die Klageschrift. Auf Grund der Statements von Tracinda hält das Unternehmen die Klage für vollständig unbegründet."

Projekt soll rückgängig gemacht werden

Dem Daimler-Vorstand wird vorgeworfen, den Eindruck erweckt zu haben, dass die Fusion mit Chrysler eine Fusion unter Gleichen gewesen sei. Tracinda ist eine Investmentfirma Kerkorians. Sie erklärte, sie wolle das 34-Milliarden-Dollar-Projekt rückgängig machen. Man hätte nie für die Fusion gestimmt, wenn es als deutsche Übernahme präsentiert worden wäre.

Kerkorian und hält etwa 4 % des Aktienbestands und ist drittgrößter Einzelaktionär von Daimler-Chrysler. Bei der Fusion war er mit einem Anteil von 13,75 % größter Besitzer von Chrysler-Aktien.

Schrempp habe alle Beteiligten belogen

"Um eine der größten Transaktionen der Automobilgeschichte zu besiegeln, haben die Angeklagten Daimler-Benz und Daimler-Chrysler offenkundig alle Beteiligten belogen, und zwar nach einem vom Angeklagten Schrempp entworfenen Plan", zitiert die Zeitung "The Detroit News" aus der Klageschrift.



Schrempp habe in der "Financial Times" kürzlich selbst erklärt, dass er nie die Absicht gehabt habe, eine Fusion unter Gleichen zu vollziehen. "Die Angeklagten haben immer die Absicht gehabt, Chrysler auf den Status einer Konzernabteilung herabzustufen, Chryslers Management zu feuern und sie durch Direktoren aus der Zentrale in Stuttgart zu ersetzen," hieß es.

Insgesamt 9 Mrd. Dollar gefordert

Kerkorian will zwei Milliarden Dollar Schadenersatz, eine Milliarde Schadenersatz für den Wertverlust der Aktien und mindestens sechs Milliarden Dollar Strafe erwirken. Tracinda wolle auch die Fusion rückgängig machen, "damit Chrysler wieder eine unabhängige Firma im Besitz von Chrysler-Aktionären wird". Neben Daimler-Benz, Daimler-Chrysler und Schrempp werden laut "Detroit News" auch Finanzchef Manfred Gentz und Aufsichtsratschef Hilmar Kopper als Beklagte aufgeführt.



Vor der Fusion lag Kerkorian oft mit der Chrysler-Führung im Streit und wollte vor fünf Jahren für 23 Milliarden Dollar die Autofirma kaufen. Der Versuch scheiterte. Seit der Fusion sind die DaimlerChrysler-Aktien stetig gesunken. Der Tiefstand von 37,90 Dollar wurde erreicht, nachdem am 17. November Chrysler-Präsident James Holden abgelöst und durch Dieter Zetsche ersetzt wurde. Auch andere amerikanische Manager an der Chrysler-Spitze nahmen ihren Hut.

Druck auf Schrempp wächst

Analyst Christian Breitsprecher von der Deutschen Bank Research sagte zu der Klage, bis es in solchen Fällen zu Urteilen käme, vergingen in der Regel "Ewigkeiten". Allerdings bringe dies nun weiteren Druck auf das Unternehmen und vor allem auf Schrempp, denn nun werde ein direkter Kampf mit einem Groß-Aktionär geführt. Für die Aktie könne es vielleicht vorteilhaft sein, wenn geglaubt werde, dass Chrysler eventuell doch ausgegliedert werde. Ein Blick auf die aktuelle Verfassung Chryslers werfe aber die Frage auf, wer das Unternehmen überhaupt kaufen solle und zu welchem Preis.

Porträt: Kirk Kerkorian verliert nicht gerne

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