Milliardenschwere Einkaufstour in 2002
RWE übertrifft hohe Erwartungen

Drei große neue Tochtergesellschaften und ein starkes Wachstum im Kerngeschäft Strom haben den Betriebsgewinn des Energiekonzerns RWE im ersten Quartal rasant steigen lassen.

Reuters ESSEN. Die Kosten der Übernahmen verminderten allerdings erwartungsgemäß den Nettogewinn. Diese Entwicklung werde sich auch im Gesamtjahr fortsetzten, teilte Deutschlands zweitgrößter Versorger am Mittwoch mit. Um ein Drittel und damit noch deutlicher als von Analysten erwartet konnte RWE sein Betriebsergebnis auf 1,75 Mrd. ? verbessern. Neben der erstmaligen Einbeziehung der britischen Innogy, Transgas in Tschechien und American Water Works in den USA habe sich erneut das Stromwachstum als Gewinnmotor erwiesen. Dem Gasgeschäft habe vor allem die kalten Witterung im Winter geholfen. Ohne die Erstkonsolidierungen habe das Betriebsergebnis im Kerngeschäft um elf Prozent über Vorjahr gelegen, hieß es.

Börse reagiert mit Kurssprung

Erwartungsgemäß verzeichnete RWE beim Nettogewinn einen Rückgang. Der Konzern hatte schon im März angekündigt, dass der Überschuss wegen Firmenwertabschreibungen und Finanzierungskosten für die neu erworbenen Tochtergesellschaften niedriger ausfallen werde. Der Nettogewinn sank im Quartal um 37 % auf 437 Mill. ?. Der Umsatz lag mit 12,8 Mrd. ? um vier Prozent unter dem Vorjahreszeitraum.

Die Börse reagierte mit einem Kurssprung von rund zwei Prozent auf 25,19 ? auf das RWE-Quartalsergebnis. Der Dax tendierte zu gleiche Zeit mit einem Aufschlag von 0,88 %.

"RWE auf sehr gutem Weg"

Für das Gesamtjahr bekräftigte RWE die Prognose eines zweistelligen Wachstums beim Betriebsergebnis bei gleichzeitigem Rückgang des Nettogewinns um bis zu 30 %. RWE hatte die gegenläufige Entwicklung der beiden Kennzahlen auf der Bilanzpressekonferenz im März bereits angekündigt.

Analysten hatten in einer Reuters-Umfrage im Durchschnitt ein Betriebsergebnis von 1,641 Mrd. ? und einen Nettogewinn von 399 Mill. ? erwartet. "Die (RWE) sind auf sehr gutem Weg", hieß es bei einer Frankfurter Investmentbank anerkennend. Einziger Wermutstropfen sei offenbar die Umweltsparte. RWE-Finanzchef Klaus Sturany hatte zuvor erklärt, diese Sparte werde im Gesamtjahr wohl einen niedrigeren Gewinn ausweisen, was neben steigendem Margendruck auch auf Kosten durch die Einführung des Dosenpfands zurückzuführen sei.

Interesse an Gelsenwasser

Nach seiner milliardenteuren Einkaufstour im vorigen Jahr hat sich RWE für 2003 die Integration der neuen Gesellschaften vorgenommen. Daneben hatte der neue Vorstandschef Harry Roels kleinere Akquisitionen aber nicht ausgeschlossen und dabei Interesse an der Eon-Tochter Gelsenwasser bekundet. Finanzchef Sturany sagte, RWE sei weiterhin interessiert an dem Gas- und Wasserversorger, "aber nur, wenn der Preis stimmt". Verhandlungen gebe es aber noch nicht. Am Donnerstag will RWEs größter deutscher Konkurrent E.ON seinen Erstquartalsbericht veröffentlichen.

Währungseffekte helfen beim Schuldenabbau

Die Schwäche des Dollar und des Pfundes würden RWE helfen, den Schuldenberg schneller als vorgesehen abzubauen, hieß es. Statt der bisher geplanten Reduzierung der Nettoverschuldung auf 24 Mrd. ? dürfte sie am Jahresende unter 23 Mrd. ? liegen. RWE hatte die Firmenübernahmen Sturany zufolge größtenteils in lokalen Währungen finanziert.

Ungeachtet seiner durch die Akquisitionstour verursachten hohen Schulden bescheinigten die Rating-Agenturen Moody´s und Standard & Poor´s RWE weiterhin eine gute Bonität, hieß es weiter. Beide Agenturen begründeten dies mit der hohen Liquidität von RWE und dem eingeschlagenen Konsolidierungskurs. Im ersten Quartal erzielte RWE einen um drei Prozent höheren operativen Cash flow von 1,9 Mrd. ?.

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