Milliardenschwere Kriegskasse
Delta Lloyd will deutschen Versicherer kaufen

Der Finanzdienstleister Delta Lloyd will auf dem deutschen Markt auch über Akquisitionen wachsen. "Wir denken über Zukäufe nach. Ein Lebensversicherer, der in unsere Allfinanzstrategie passt, würde uns gut anstehen", sagte der künftige Vorstandsvorsitzende, Frans van de Veer, im Gespräch mit dem Handelsblatt.

HB FRANKFURT. Zwar gebe es im fragmentierten deutschen Markt genügend Kandidaten, allerdings müsse man vorsichtig sein bei der Auswahl. "Die stillen Lasten möglicher Übernahmekandidaten sind schwer einzuschätzen", so van de Veer.

Mit einem Prämienvolumen von 532 Mill. Euro rangiert Delta Lloyd nach eigenen Angaben derzeit auf Rang 30 in Deutschland. Ziel sei es, unter die "Top Ten" der Branche zu kommen. Auch ein unabhängiger Vertrieb wie MLP oder eine Fondsplattform komme für Übernahmen in Frage. Delta Lloyd leide derzeit wie die anderen Versicherer auch unter den sinkenden Kapitalerträgen, jedoch sei noch nicht entschieden, ob die Überschussbeteiligungen gesenkt werden.

Unter dem Holding-Dach von Delta Lloyd sind in Deutschland die Berlinische Lebensversicherung AG, die General Accident Lebensversicherungs-AG, die Kapitalanlagegesellschaft Delta Lloyd Investment Managers und die Privatbank Gries & Heissel gruppiert. Im Fokus stehen die Risikoabsicherung/Vorsorge, das Vermögensmanagement und Finanzierungen. Die 1998 gegründete deutsche Holding ist eine Tochter der Delta Lloyd NV, Amsterdam, die wiederum zum britischen Finanzkonzern Aviva plc (früher: CGNU) gehört. Für die Drittquartalszahlen von Aviva - die morgen veröffentlicht werden - rechnen die Analysten von Merrill Lynch mit einem zweiprozentigen Rückgang der Prämieneinnahmen nach einem Plus von neun Prozent im ersten Halbjahr.

Das Unternehmen, nach eigenen Angaben der siebtgrößte Versicherer der Welt, habe sich dem Branchentrend seit dem Sommer wohl nicht entziehen können und leide unter der Absatzflaute bei Finanzprodukten, heißt es im Research von Merrill Lynch, wobei die Einstufung für die Aviva-Aktie auf "Neutral" lautet. Branchenbeobachter schätzen aber, dass die "Kriegskasse" von Aviva für Übernahmen umgerechnet mehrere Milliarden Euro umfasst.

Van de Veer sagte, selbst neue Produkte und Konzepte seien im überbesetzten deutschen Markt nur schwer durchsetzbar. Dennoch wolle man auch über Finanzinnovationen wachsen, wobei er als Beispiele den Nachhaltigkeitsfonds und das Konzept des "gläsernen Fonds" nennt, bei dem jeweils offen gelegt wird, welche Investments vom Management gerade getätigt werden. Der Delta - Lloyd-Manager räumte ein, dass der Abwärtstrend an den Börsen nicht spurlos am Neugeschäft vorbei gegangen ist. Beeinträchtig worden sei etwa der Fondsvertrieb über die Münchner BMW Bank, momentan liege das Fondsvolumen hier bei 51,4 Mill. Euro. Zu den Schwerpunkten der künftigen Absatzstrategie zählten die betriebliche Altersvorsorge und fondsgebundene Produkte.

Quelle: Handelsblatt

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