Milliardenverluste belasten den Versicherer – Aktie auf Talfahrt
Dresdner verhagelt Allianz-Bilanz

Die Dresdner Bank reißt die Allianz tief in die roten Zahlen. Der Versicherer bemüht sich nun um Schadensbegrenzung. Harte Sanierungsschritte sollen die Dresdner im nächsten Jahr in die Gewinnzone führen.

cbu MÜNCHEN. Entsetzen beim Allianz-Konzern in München: Die Verluste der Dresdner Bank übertreffen die schlimmsten Befürchtungen. Allianz-Vorstand Helmut Perlet teilte am Mittwoch mit, die Bank belaste die Allianz-Rechnung im ersten Halbjahr mit einem Verlust von über einer Mrd. Euro. Der Verlust vor Steuern und Goodwill liegt sogar bei 1,3 Mrd. Euro. Und Besserung ist nicht in Sicht. Die Bank wird auch im laufenden und im nächsten Quartal nicht aus dem Minus kommen, kündigte Perlet gestern an. Eine Prognose für den Gesamtkonzern wollte er aber nicht abgeben.

Bereits vor zwei Wochen hatte der Versicherer gewarnt, die Verluste der Bank würden deutlich höher ausfallen als erwartet. Analysten hatten daraufhin mit einem Minus von höchstens 700 bis 800 Mill. Euro gerechnet, Merrill Lynch war sogar von nur 450 Mill. Euro ausgegangen. Am Mittwoch zeigten sich die Experten daher überrascht über das Ausmaß der Probleme. Die Allianz-Aktie, die seit der Übernahme der Dresdner vor einem Jahr ohnehin schon weit über 50 % an Wert verloren hat, rutschte am Mittwoch weiter ab.

Für Verunsicherung an der Börse sorgte am Mittwoch insbesondere, dass die Dresdner Bank die Risikovorsorge für das Kreditgeschäft deutlich auf fast 1,1 Mrd. Euro für die ersten sechs Monate nach oben setzte. Die Bank ist von Großpleiten sowie von der Krise in Lateinamerika betroffen. "Es handelt sich hier um Einzelfälle", versuchte Perlet zu beruhigen. Die starke Aufstockung der Vorsorge sei aber "nicht nur aus Vorsicht" erfolgt, hieß es.

"Die Risikovorsorge bei der Dresdner Bank ist jetzt sehr hoch, was zu Ängsten führt, dass die Risikovorsorge auch bei den anderen Banken erhöht werden muss", sagte Analyst Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin. Alle anderen Bank-Aktien gaben deshalb nach. Die Hypo-Vereinsbank, die über das größte Kreditportfolio verfügt, rutschte sogar um zeitweise mehr als 5 % ab. Auch Deutsche Bank und Commerzbank verloren. Münchener Rück gaben ebenfalls fast 5 % ab, der Konzern ist Allianz-Großaktionär.

Allianz-Vorstand Perlet betonte, dass die Dresdner Bank im kommenden Jahr wieder zurück in die Gewinnzone kommen werde. Das Sanierungsprogramm sehe Kostensenkungen von insgesamt zwei Mrd. Euro vor. Insbesondere die Dresdner-Hauptververwaltung in Frankfurt sowie der Bereich Unternehmen und Märkte mit der Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) seien davon betroffen. Es sollen nochmal 3 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Ein Lenkungsausschuss werde die Maßnahmen überwachen. Spekulationen über einen schnellen Verkauf der defizitären DKW erteilte die Allianz eine Absage. "Das Geschäftsmodell bleibt unverändert, aber wir brauchen eine schlankere Kostenbasis", betonte Perlet. Trotz der Krise verteidigte die Allianz erneut die Übernahme der Bank als strategisch sinvoll. Das Versicherungsgeschäft des Konzerns lief im ersten Halbjahr dagegen gut.

Quelle: Handelsblatt

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