Millionen für nigerianische Despotenclique
Staatsanwalt ermittelt gegen Ferrostaal

Die MAN-Tochter Ferrostaal soll über Konten der Warburg-Bank gewaltige Schmiergeldzahlungen veranlasst haben. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Untreue auch gegen den Chef des Anlagenbauers.

GENF. Die Essener Ferrostaal AG gerät in die Affäre um die Raub- und Fluchtgelder des ehemaligen nigerianischen Militärdiktators Sani Abacha und seines Clans. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft Bochum gegen Spitzenmanager der MAN-Tochter, die im Rohstoffhandel und Anlagenbau aktiv ist. Laut der Ermittlungsbehörde besteht ein Verdacht auf "Beihilfe zur Untreue": Die Chefs des Traditionsunternehmens könnten bei einer der größten Betrügereien der afrikanischen Wirtschaftsgeschichte Pate gestanden haben. Auch das Geschäftsgebaren des Vorstandsvorsitzenden der Ferrostaal, Klaus von Menges, wird untersucht. Menges, seit mehr als 26 Jahren im Ferrostaal-Vorstand, leitet das Unternehmen seit 1993. Erst am vergangenen Donnerstag hat der Manager, der sich auch als Exportförderer einen Namen gemacht hat, das große Bundesverdienstkreuz erhalten.

Die Bochumer Schwerpunktabteilung für Wirtschaftskriminalität steht erst am Anfang des Falls, die Ermittler gehen von "jahrelangen Untersuchungen" aus. Die Spur der möglichen Korruptionsaffäre entdeckten Beamte des Essener Finanzamtes; die Prüfer sollen dabei auf im internationalen Vergleich deutlich überhöhte Rechnungen gestoßen sein. Nach einer Betriebsprüfung bei der Ferrostaal übernahmen dann die Bochumer Experten.

Den Hintergrund der Affäre bildet die blutige Herrschaft General Sani Abachas in Nigeria. Zwischen 1993 und 1998 plünderten der Tyrann und sein Clan das rohstoffreiche westafrikanische Land systematisch aus. Mehrere Milliarden Dollar sollen über ein weit verzweigtes System auf Konten der Abachas in Europa geflossen sein. Ermittlungen gibt es seither auch in Liechtenstein, Luxemburg und der Schweiz.

Mit Geld aus Essen hat sich die Abacha-Clique ebenfalls die Taschen gefüllt. Ferrostaal überwies über den Umweg Liechtenstein und die Schweiz Hunderte Millionen DM auf Tarnkonten des berüchtigten Abacha-Sohnes Mohamad bei der Luxemburger Tochtergesellschaft des Hamburger Bankhauses M.M. Warburg. An den Geld-Bewegungen gibt es laut Schweizer Bankenkreisen und Anwälten keine Zweifel.

Mohamad Abacha, Schatzmeister der Familie, kontrollierte auch die Errichtung und die Produktion der Aluminium Smelter Company of Nigeria (Alscon). Den Bau der gigantischen Aluminium-Schmelze im Südosten Nigerias hatte die Ferrostaal übernommen. Seit 1989 werkeln die Deutschen und ihre Helfer an dem Mammut-Projekt schon herum, bis zum Jahr 2000 explodierten die Kosten. Bis heute wird in der Hütte jedoch immer noch kein Aluminium produziert.

Dennoch soll Ferrostaal eifrig Geld auf die Abacha-Konten in Europa gepumpt haben. Als Grund für den Geldtransfer soll Ferrostaal selbst Rechnungen "nigerianischer Unterlieferanten" genannt haben, die hätten beglichen werden müssen, heißt es bei Schweizer Banken.

Vieles deutet indes darauf hin, dass es sich schlicht um Schmiergeld gehandelt haben wird. Als Gegenleistung durfte Ferrostaal Alscon hochziehen. Das bestätigt indirekt auch die Schweizer Finanzaufsicht in einem Bericht über die Transfers. Die M.M. Warburg, die Bank der Ferrostaal, habe die Gelder als Provisionen bezeichnet, "ohne die nach ihrem Verständnis im internationalen Großanlagenbau keine Aufträge erhältlich seien".

Das alles klingt nach landläufiger Bestechungspraxis: Lieferanten reichen überhöhte Rechnungen oder Scheinrechnungen ein. Die Differenz zum tatsächlichen Preis oder den gesamten Betrag steckt sich der Projekt-Verantwortliche in der Machtelite des jeweiligen Landes ein - im Fall Ferrostaal soll es eben Abacha-Sohn Mohamad gewesen sein.

Inwieweit sich die Ferrostaal-Manager strafbar gemacht haben, muss jetzt die Staatsanwaltschaft Bochum herausfinden. Ferrostaal wollte die Vorwürfe mit Hinweis auf das "laufende Ermittlungsverfahren" nicht kommentieren.

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