Millionen für Phelps, keinen Cent für Schützen
Gold zahlt sich selten aus

Die Kanuten Marcus Becker und Stefan Henze haben nichts unversucht gelassen: "Auf dieser Fläche ist noch Platz für Sponsoren", pinselten sie nach ihrem Weltmeisterschafts-Titel im Kanuslalom auf das Paddel. Von den Olympischen Spielen in Athen kommen sie mit der Silbermedaille zurück - ein großer Erfolg. Doch das Paddel ist noch immer werbefrei und die Aussicht, endlich einen Sponsor an Land zu ziehen, gering.

ATHEN. "Darüber klagt wohl jeder, der eine Randsportart betreibt", bestätigt Manfred Kurzer, deutscher Goldschütze in der Disziplin Laufende Scheibe. Judo-Olympiasiegerin Yvonne Bönisch macht sich ebenfalls keine großen Hoffnungen: "Wir haben keine Werbefläche, und wir sind nicht in den Medien, da ist es schwierig, Sponsoren zu finden."

Längst vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich deutsche Athleten ihre Olympia-Erfolge mit neuen Sponsoren-Verträgen vergolden konnten. "Die Investitionen in Einzelsportler konzentrieren sich zunehmend auf die fünf bis zehn Topsportler eines Landes", sagt Hartmut Zastrow, Geschäftsführer des Kölner Marktforschungsinstituts Sport + Markt. Das breite Mittelfeld und vor allem jene Randsportarten, die nur alle vier Jahre bei Olympischen Spielen präsent sind, kämen für Sportsponsoren indes kaum in Frage. Das liegt auch an einem Trend, der seit Jahren weg zeigt vonInvestitionen in einzelne Sportler. Das Risiko, dass ein Athlet lange verletzt ausfallen oder - noch schlimmer fürs Image - des Dopings überführt werden könnte, ist vielen Unternehmen zu hoch geworden: "Das ist der Optionsschein unter den verschiedenen Formen des Sportsponsorings", sagt Zastrow. Es gebe hohe Chancen, über einen erfolgreichen Sportler schnell Bekanntheit aufzubauen. Aber eben auch enorme Risiken, weil zwischen heldenhaftem Sieg und bitterer Niederlage oft nur Hundertstelsekunden liegen.

Die meisten deutschen Unternehmen setzen lieber auf Sicherheit. Der langjährige Olympia-Sponsor Obi investiert zum Beispiel grundsätzlich nicht in einzelne Sportler: "Ich muss meine Marke sauber halten", heißt das Credo des sportbegeisterten Obi-Gründers Manfred Maus. Bei einem Sponsoring von Mannschaften oder Events wie den Olympischen Spielen könne das Fehlverhalten eines Einzelnen "nicht auf die Marke fallen", sagt Maus. In dieses Bild passt, dass Franz Beckenbauer die aktuellen Sportstars als deutsche Werbe-Ikone deutlich übertrumpft: Er darf für die Postbank werben, telefoniert mit O2, trinkt Erdinger Weißbier und lässt sich von Adidas sportlich ausstatten. "Er ist deshalb so gut im Geschäft, weil ihn nichts mehr vom Sockel stoßen kann", erklärt der frühere Schwimm-Olympiasieger Michael Groß, der heute eine Kommunikationsberatung betreibt.

Seite 1:

Gold zahlt sich selten aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%