„Millionen-Irrtümer" des BVB
Von Hoffnungsträgern zu „Ladenhütern"

Viele Fußball-Bundesligisten klagen über finanzielle Einbußen, doch bei Borussia Dortmund schmoren Millionen auf der Ersatzbank. Beim deutschen Meister stehen Spieler im Abseits, die einst für viel Geld eingekauft und mit hoch dotierten Langzeit-Verträgen ausgestattet wurden. Die prominentesten "Ladenhüter" des Titelverteidigers sind Fredi Bobic und Victor Ikpeba. "Wir haben ihnen ihre Perspektiven mitgeteilt, nun warten wir auf eine Reaktion", sagte BVB-Sportmanager Michael Zorc.

dpa DORTMUND. Trotz laufender Verträge bis 2003 sollen beide Profis möglichst schnell den Verein verlassen. In den Überlegungen von BVB-Trainer Matthias Sammer spielen sie keine Rolle mehr. Ähnliches gilt auch für Jan Derek Sörensen (Vertrag bis 2004) und Sunday Oliseh (bis 2005). Noch gehören sie zwar zum 26 Profis umfassenden Kader, doch der soll nach Club-Angaben reduziert werden. "Die beiden wissen, dass sie auch gehen dürfen", bestätigte Clubsprecher Josef Schneck.

Da Ikpeba und Bobic noch keinen neuen Club gefunden haben, muss der BVB sie weiter beschäftigen - und bezahlen. Dabei hatte man beide Profis, die im ohnehin teuren Luxus-Kader zu den Top-Verdienern zählen, gedanklich schon von der Gehaltsliste gestrichen. Denn der Nigerianer, 1999 für 6,6 Mill. ? vom AS Monaco gekommen, war zuletzt an den spanischen Club Betis Sevilla ausgeliehen. Bobic, vor drei Jahren für rund sechs Mill. ? vom VfB Stuttgart geholt, spielte auf Leihbasis für den englischen Verein Bolton Wanderers.

Doch weder die Spanier noch die Engländer waren trotz Kaufoption an einer Weiterverpflichtung interessiert. "In Europa herrscht momentan eine Transferflaute", erklärte BVB-Manager Michael Meier. Vor allem die finanziellen Forderungen der Profis scheinen mögliche Interessenten abzuschrecken. "Unsere hohen Spielergehälter sind sicherlich auch ein Hemmschuh", gestand Meier den "Ruhr Nachrichten".

So musste Bobic nach dem Sommer-Urlaub seinen Dienst wieder beim Meister antreten. Und der Ex-Nationalspieler, dessen Familie bereits nach Stuttgart zurückgezogen ist, kündigte an: "Ich will noch einmal angreifen." Um sich fit zu halten, scheut Bobic bei den Trainings- Einheiten im Bad Radkersburg (Österreich) derzeit keine Anstrengung.

Mit seiner Ausmusterung hat er sich längst abgefunden, nicht aber mit dem Ruf, ein "Ladenhüter" zu sein. "Ich verlange Respekt. Und lasse mich nicht zum Fraß vorwerfen", kritisierte er in der "Bild"- Zeitung (Mittwoch-Ausgabe), "ich werde zu Unrecht mit Ikpeba in einen Sack gesteckt." Für die gescheiterten Verhandlungen mit den Bolton Wanderes macht er nicht das hohe Gehalt, sondern die Ablöseförderung verantwortlich: "Wenn ich ablösefrei gewesen wäre, dann wäre ich noch dort. Auch wenn ich weniger verdient hätte als beim BVB. Ich habe keinen Bock, jeden Tag diesen Mist zu lesen."

Anders als der Ex-Stuttgarter hat Ikpeba in Dortmund keine Freude mehr. Nach Club-Angaben ist er "vorläufig freigestellt, damit er Verhandlungen mit Interessenten führen kann". Sollte Afrikas "Fußballer des Jahres 1997" allerdings eine Rückkehr zur Borussia beabsichtigen, droht ihm die Degradierung zu den BVB-Amateuren - in die Regionalliga. Dazu erklärte Schneck vielsagend: "Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie er hier seinen Dienst verrichtet. Das muss nicht zwingend bei den Profis sein."

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