Millionen Narren beim Straßenkarneval: Unfall überschattet Kölner Rosenmontagsumzug

Millionen Narren beim Straßenkarneval
Unfall überschattet Kölner Rosenmontagsumzug

Der Kanzler als Gen-Klon, rot-rote Zungenküsse in Berlin und ein plantschender Minister: Millionen Narren haben am Rosenmontag zum Höhepunkt des Straßenkarnevals alle Register des politischen Spotts gezogen. Der Umzug in Köln wurde von einem schweren Unfall überschattet: Eine 23- jährige Frau wurde von einem Umzugswagen überrollt und tödlich verletzt.

dpa KÖLN/MAINZ/DÜSSELDORF. Gegen düstere Regenwolken schunkelten Jecken in den Hochburgen Köln, Mainz und Düsseldorf mit "Alaaf" und "Helau" an. Ein Millionenpublikum verfolgte das Treiben an den heimischen Fernsehern. Fünf Monate nach den Anschlägen in den USA war bei den deutschen Narren nur eine Figur tabu: Terroristenführer Osama bin Laden.

In Düsseldorf formierte sich zur "Närrischen Olympiade" ein Rekordzug mit 6 500 Karnevalisten. Kanzler Gerhard Schröder (SPD) verschwand auf der Prachtstraße Kö im Schlund des Rezessionskrokodils. Nur noch der aus dem Maul des Reptils ragende Arm propagierte die "Politik der ruhigen Hand". Berlins Regierender SPD-Bürgermeister Klaus Wowereit und der PDS-Politiker Gregor Gysi besiegelten mit einem innigen Zungenkuss die rot-rote Koalition in der Hauptstadt.

Ob in Aachen, Bonn, Münster oder im schleswig-holsteinischen Marne - überall herrschte Narrenfreiheit. "Vom Pool in die Traufe" witzelte ein Festwagen in Köln über die Urlaubsfotos von Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD) mit seiner Gräfin Pilati. "Bin Baden!" prangte auf einem Mainzer Motivwagen. Der Kanzler klonte sich derweil im Gen- Labor sein perfektes Kabinett zusammen - lauter kleine Schröder.

Im Mittelpunkt des närrischen Hohns stand auch die K-Frage der Union. Kanzler-Kandidat Edmund Stoiber in Unterhose zerrt an den Beinkleidern der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel. Er triumphiert: "Das ist meine Hose!"

"Ich bin ein kölscher Italiener"

Der Kölner Festzug mit 240 Wagen und 124 Musikkapellen rollte unter dem Motto "Janz Kölle es e Poppespill - Ganz Köln ist ein Puppenspiel" am Dom vorbei. Mehrere "Lindenstraßen"-Schauspieler mischten sich bunt ausstaffiert unters Volk. "Ich bin ein kölscher Italiener", sagte Sigo Lorfeo, der den Eisdielenchef "Paolo" spielt.

Allein die Kölner Karnevalisten brachten 140 Tonnen Süßigkeiten unters närrische Volk. 550 Mainzer Polizisten patrouillierten vorsichtshalber ohne Kopfbedeckung. In den Vorjahren waren die Mützen begehrter als alle anderen Karnevalssouvenirs - und auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Die in Köln tödlich verunglückte Frau war nach Augenzeugenberichten in einer Kurve gestolpert und unter die Räder eine Umzugswagens geraten. Als Begleitperson sollte sie dafür sorgen, dass Schaulustige nicht zu nahe an den Wagen herankommen.

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