Millionen-Spiel für Fernsehsender auf Dauer nicht tragbar
RTL macht mit Champions League Millionen-Verluste

Wer wird Millionär? Der FC Bayern München und FC Valencia ja, RTL nein. Der Fernsehsender fährt mit dem Millionen-Spiel Champions League (CL) Millionenverluste ein. Dank der Final-Teilnahme des deutschen Meisters kommt die Kölner TV-Anstalt mit einem blauen Auge davon.

dpa HANNOVER. "Das ist das gute Ende einer nicht so guten Saison", sagte RTL-Informationsdirektor Hans Mahr vor dem Finale am (morgigen) Mittwoch (20.45 Uhr/live bei RTL und Premiere World) in Mailand. Dann werden mehr als zehn Mill. Fußball-Fans vor den Geräten sitzen und die Werbeeinnahmen wie zuletzt beim legendären 99er-Finale zwischen Bayern und Manchester United (13,59 Mill. Zuschauer) sprudeln.

Das war in dieser Saison nicht immer so. Die Durchschnittsquote der CL liegt unter sechs Mill. Zuschauern, nicht zuletzt, weil der TSV 1860 München in der Qualifikation scheiterte und der HSV und Bayer Leverkusen bereits in der Vorrunde rausflogen. RTL musste laut Vertrag Spiele wie Sturm Graz-Manchester zeigen, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Kein Wunder, dass die TV-Macher bei der Europäischen Fußball-Union (UEFA) darauf drängen, den auf 32 Teams aufgeblähten Wettbewerb erneut zu verändern. Die Zahl der unattraktiven Vor- und Zwischenrundenspiele soll reduziert werden.

"Dieser Modus und die Kosten sind auf Dauer nicht tragbar", meinte Mahr. Er bestätigte Gespräche mit der UEFA, sieht aber kurzfristig wenig Erfolgschancen: "Mit gravierenden Reformen rechne ich erst ab der Saison 2003/04." Dann endet der bestehende Drei-Jahres-Vertrag, für den RTL schätzungsweise 100 Mill. DM pro Saison zahlt.

Es geht um die Finanzierbarkeit

Vielleicht fällt schon früher die Verpflichtung weg, Spiele ohne deutsche Beteiligung live zeigen zu müssen. An der Kooperation mit Premiere World - der Pay-TV-Sender zeigt dienstags und mittwochs alle CL-Spiele live - will der RTL-Informationsdirektor nicht rütteln: "Es geht auch um die Finanzierbarkeit. Eine andere Lösung als gemeinsame Übertragungen im Free-TV und Pay-TV sehe ich langfristig nicht."

Zu dem Umfang der Verluste möchte Mahr nichts sagen. "Man kann nicht mit allen Sendungen Profit machen. Die Champions League ist eins der wenigen Events mit nationaler Bedeutung. Da wollen wir uns das Beste leisten", begründete er das große RTL-Interesse an der Königsklasse. Für das Mailänder Finale drückt der Österreicher dem FC Bayern ("mein Lieblingsverein") ganz besonders die Daumen. "Der deutsche Fußball benötigt mal wieder einen internationalen Erfolg, und ein Bayern-Sieg würde der Champions League für das nächste Jahr großen Auftrieb geben."

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